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Die Dichtung in den Händen der Geistlichkeit.
wirklich dichterischer Schmuck und keine Betrachtungen. Otfried sind seineEinschaltungen das Liebste. Er entlehnt Allegorien aus lateinischen kirch-lichen Dichtern, er hat jeden Augenblick seine sittlichen, mystischen undgeistigen Betrachtungen zur Hand, mit denen er nach der bekannten Un-terscheidung des Origcnes die Schrift auslegt, und diese dünken ihmbesonders wichtig. Der nordische Dichter folgt seinen Evangelien meistsehr genau und fügt in das Eine das Ergänzende auS dem Andern,Passendes zu Passendem, geschickt zusammen, mit offenbarer Liebe an derSache; Otfried aber folgt oft seinem Gedächtnisse und ist daher auch auErzählung viel ärmer, als jener. Dieser führt das Lehrende, z. B. dieBergpredigt viel genauer aus als Otfried, bei dem eben diese Stelle sehr-mager wegkommt; er verweist auf den Tert selbst^); er hört sich viellieber selbst predigen, als daß ec die Predigt des Evangeliums getreuübersetzte. So sind ihm auch seine mystischen Auslegungen lieber, alsdie Gleichnisse der Bibel, auf die er den Leser gleichfalls zurückweist,während der Sachse ihnen mit großer Besorglichkcit folgt; dem Otfriedsind sie viel zu einfach und plan. Eigene Empfindungen weiß er wohlzu schildern; in dem Capitel (I, 18), wo er an die Abreise der Magierin ihr Vaterland eine Betrachtung über die Sehnsucht des Menschennach seinem überirdischen Vaterlande knüpft, ist der Ausdruck der Welt-verachtung , den wir bald ausgebildcter auch in den ritterlichen Poesienals ein Moment werden kennen lernen, in dem dcnDichtern dieser Zeitendie Beredtsamkeit am vollsten strömt, vortrefflich und innig, und sticht sovortheilhast gegen den mehr einförmigen und trockenen Ton des Nieder-deutschen ab, wie dessen lebendigere und innigere Erzählung von denberichtenden und ritirenden Erzählungen bei Otfried, wo wirklich zu er-zählen ist. Die epischen Ausführungen des Sachsen, sahen wir, gingenmehr aus große und erhabene Srenen, die bei Otfried lyrisch werden,der seinerseits epische Erweiterung nur da kennt, wo er kleine häuslicheSrenen andeutend auömalt, was eine Vergleichung mit der Miniatur-malerei dieser Mönche zuläßt, in welcher der Schüler des RhabanusMaurus kein Fremdling gewesen sein wird. Im Heliand ist ein einzigergehaltcner Ton in Unschuld und Bewußtlosigkeit, aber Otfried besinntsich jeden Augenblick über seiner Arbeit, macht Erörterungen über seineSprache, verzweifelt an seiner Fähigkeit, und betheuert sein Unvermögen,
67) II, 24. V. I. 2.
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