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1 (1853)
Entstehung
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Die Dichtung in den Händen der Geistlichen.

zwei Theile zerlegt durch eine Cäsur, die dem erzählenden Verse nothwen-dig scheint. Bis ins 8. Jahrh. hin herrschte in ganz Deutschland, auchim Süden ebenso wie im Norden und bei den Angelsachsen, die Allitera-tion in diesen Versen; nachher verdrängte der Reim, den Einige, wieWackernagel, gleich dcrStrophe aus der lateinischen kirchlichcnDichtung,Andere aus autochthonischer Entstehung und Uebcrliefcrung herleiten°^),zuerst in Deutschland diesen Zierat der alten heidnischen Poesie. OtfriedsWerk hat schon die gereimte vierteilige Strophe, der Heliand noch diealliterirtcn Verse. Die Alliteration verbindet die zwei VcrSsätze oder Wei-sen (vitteae) der Langzeile, die im Heliand kunstrichtiger als sonst inalliterirtcn Gedichten zu vier Hebungen geregelt sind, durch 2 3 4gleiche Anfangsbuchstaben (Rcimstaben) auf den betontesten Wörtern.Wir verweisen auf die Ausführung des scharfsehenden und -hörendenForschers dem cs gelang, die Wildheit des altdeutschen Verses zuzähmen, die Regel unter so viel Freiheit zu finden, und das, was dasOhr fühlt, auch der verständigen Prüfung nahe zu legen. Eine Zeitlangmag Alliteration und Reim sich um den Vorzug gestritten haben, derletztere ließ sich auf den Einschnitt und das Ende der Langzeile nieder,und so wie er bei Otfried noch sehr frei behandelt, und wie bei allenNatursöhnen noch heute oft bloße Assonanz ist, so steht er gleich derAlliteration weniger als Schmuck, mehr als Band der Vershälften. DerGebrauch von Reim und Strophe scheint durch Otfrieds Werk in derdeutschen Dichtung mit entscheidendem Nachdruck festgcstellt worden zusein. Aus seinem Verse aber ging nach Maßgabe der sich abschleifendenSprache allmählig der kurze erzählende Vers der ritterlichen Dichtunghervor. Die eintrctende Schwächung der Formen that den vier Hebun-gen Abbruch, und führte den klingenden Reim ein, den Otfried nichtkennt; in dem Vers der Nibelungen (von meist sechs Hebungen) bewirktedie klingende Cäsur den Verlust Einer Hebung in der ersten Hälfte, undin der zweiten forderte ihn die Gleichmäßigkeit. Dadurch, daß sich derklingende Reim in der Cäsur dem stumpfen am Schlüsse versagte, ver-legte sich der Reim nothwcndig aus dem Schluffe der zwei Theile EinesVerses auf den Schluß zweier auf einander folgender Laugzeilen, und

62) W. Grimm, zur Geschichte des Reimes. 1852. I>. 178. f.

63) Lachmann, über althochdeutsche Betonung und VerSkunst, 1833. und über dasHildebrandlied. Damit muß man verbinden I. Grimms Einleitung zu den lat. Ged.des IO. und 11. Jahrh» 1838., und über den Versbau in der alliterirenden Poesie be-sonders der Altsachsen! Schmeller in den Abhh. der bairischen Akademie histor. ClaffeIV. 1. 205 ff.