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1 (1853)
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Christi. Dichtungen im neunte» Jahrhundert. 75

allen späteren Zeiten das Christenthum im Norden und Süden verschie-den gestaltet; der letztere ist auch hierin wie in Allem der romanischenCultnr näher geblieben, die eben von der Mischung des Keltischen, Rö-mischen und Germanischen bedingt wird. Im Norden sind wenige Spu-ren von der Wirksamkeit solcher gelehrter Theologen, die in Süddcutsch-land so frühe gefunden werden. Schon die Gothen, sahen wir, hattenfrühzeitig Geistliche von gelehrter römischer Bildung; früh konnten imSüden Klöster und Pflanzschulen entstehen, und viele znsammentrcffeudeDinge förderten hier die geistige und übrige Ausbildung zuerst. Kelti-sche Bojer besaßen hier im Süden der Donau Städte und Cultnr, sieverschmolz sich mit römischer, und hier darf man schon ganz früh denKeim zu der spätem Bedeutung von Regeusburg suchen. Im siebentenJahrhundert ist in Baiern schon von mannichfachcn Fortschritten dieRede; der heilige Emmeran fand Kirchen und Geistliche in Menge, unddie Legende von ihm schildert einen Zustand des Lundes der Bojoarierund ihrer humaneren Bildung, der von dem der gleichzeitigen Sachsengewaltig absticht. Ob hierzu auch die Verbreitung des gothischen Vol-kes, vielleicht eine Schutzhcrrschaft des Theodorich und seiner gebildetenRegierung einwirkte, ist zweifelhaft; für vorgerückte Geistcscnltnr aberspricht auch außer diesen allgemeinen Zeugnissen die Erscheinung jeneredlen Thcndclinde, die mit Gregor dem Großen einen frommen undgelehrten Briefwechsel führte, und jener vielen Heiligen, die Baiernschon vor Karl dem Großen kennt, Severin, (ch 488), Emmeran^ Rup-precht und Corbinian. Auf das Wirken dieser Männer folgte dann hierspäter die Wirksamkeit des Bonifaz und Odilo gewiß mit ganz anderemErfolge als in Thüringen, wo jener den ersten Grundstein zu legen hatte,und in den Klostcrschulen, die der letztere stiftete, erscheinen schonGriechen als Lehrer.

Ein ganz entsprechender Unterschied trennt nun die beiden Evange-licnharmonicn. Wir haben in der niedcrsächsischcn für die geistlichcPoesiedes Nordens von Deutschland und für jene des Südens an Otfried höchstcharakteristische Vertreter.

Was ihre Form angcht, so sind sie für die deutsche Verskunst diehauptsächlichsten und regelgebcnden Quellen. Der ursprüngliche epischeVcrS des deutschen Volkögcsangs war eine auf dem Accent beruhendeLangzeile^) von acht Hebungen und mehr oder weniger Senkungen, in

KI) Daß der deutsche Vers rhythmisch, nicht metrisch war, wußte» schon die St.Gatter Mönche.