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1 (1853)
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73
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Christl. Dichtungen im neunten Jahrhundert.

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Sprache nicht einseitig ausfallen soll. Es wäre wunderbar, wenn inallen erdenkbaren Verhältnissen, und nur in der Sprache nicht, der Ein-fluß des Fremden und Alten auf die deutsche und neue Welt überhauptStatt gehabt haben sollte. Man kann daher dem Herausgeber des go-thischcn zweiten Korintherbriefes^H den Einfluß des Griechischen aufdas Gothische schwerlich ganz ableugnen, den er behauptet. Auf jenenphysischen Theil der Sprache, auf Wurzeln, Bildungen und Beugungenkonnte allerdings die fremde Sprache nicht oder wenig wirken, dies liegtin der Natur der Sache. Allein in Bezug auf das Geistige, auf daSSyntaktische, scheint der Einfluß^ deS Griechischen aufs Gothische unddes Lateinischen aufs Althochdeutsche nicht zu verkennen. Wenn daherdie gothische Sprache allerdings ihre Reinheit, Ungcmischthcit und Ei-genthümlichkeit in allen Lauten, Formen und Flexionen behauptet, unddie Bibel des Ulfila trotz ihrer großen Treue das Eigene der gothischenEtymologie bewahrt hat, so würde doch ein Gothe des Adels oder desVolks schwerlich genrtheilt haben, daß sich die aufgenommenen Fremd-wörter und die abstrartcn Sätze des griechischen Textes ohne Zwang indie gothische Rede fügten, und manche Beispiele der wörtlichen Uebec-tragung im Ulfila dürften Beweise von zwaugvoller Verrenkung derSprache vielmehr, als von der Biegsamkeit und Bildsamkeit des Gothi-schen sein. So liegt es in Otfrieds ausdrücklichen Worten, daß er, ebenso gut als er in den fränkischen Liedern nach lateinischer Prosodie keinMetrum findet, auch die Regeln der lateinischen Grammatik au seinedeutsche Sprache hält; und wenn er selbst lateinische Worte in eben derArt, wie sie in den Glossen sich übertragen finden, in seinem Werke ge-braucht, so ist zu zweifeln, ob darum dergleichen Worte im lebendigenGebrauche waren^).

Von den beiden sogenannten Evangelienharmonicn, die unsdie älteste geistliche Dichtung in Deutschland darbietet, ist die Eine, zwi-schen 86372 entstanden, von dem Weißcnbnrgischen, von Geburtwohl alemannischen Mönche Otfried^), hochdeutsch, die andere, aufVeranlassung Ludwigs des Frommen verfaßte°°), daher etwas ältere.

57) Dlgliilae xotli. vers. epistolae illvi ?auli ml Lorintdws seeunilae elo.. Laülillonaous. Ueiliol. 1829.

58) Grimm, RechtSalterthümcr p. 301.

59) Krist. ei. Grass. Vgl. Lachmami'S Artikel O tfri ed in der Encyclop. vonErsch und Grnber.

KV) Heliand <nl. Schmeller. Heliand scheint wirklich ein Theil des Werks zusein, daS nach der erhaltenen iiraokalio in lilirum antignnm linxua saxoniea senip-