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Die Dichtung in den Händen der Geistlichkeit.
ähnlichen Werken wirkliche Poesie zuzuschreiben. Die Sprache ist fin-den Dichter immer bloßes Mittel, und wie der plastische Künstler stetsmit dem Stoff zu kämpfen hat, bis er ihm die Lebendigkeit eingezauberthat, die fähig ist ans die Einbildungskraft zu wirken, so hat auch derDichter überall mit der Sprache zu ringen, um dem Gedanken feste Ge-stalt zu geben und der Phantasie ihn crgrciflich zu machen. Man hat nunmit Recht zwischen der äußeren und inneren Geschichte der Sprache ge-schieden, und aufmerksam gemacht, wie in Bezug aufjene von dem Sanskritzum Gothischen, von da zum Althochdeutschen, zum Mittel- und Neu-deutschen ein stuseninäßiges Rückschreitcn Statt hatte und ein steter Ver-lust an sinnlichem Reichthum, au maunichsachem Ausdruck, au Wurzeln,Lauten und Formen, an Synonymen, an feineren Unterscheidungen derBegriffe, vielleicht selbst ein Verlust des Gesetzes der Quautität, dasGrimm unserer alten Sprache zusprechen möchte. Darum dürfte manjedoch nicht behaupten, daß diese äußere Seite der Sprache im Gegen-sätze mit den Gesetzen der menschlichen Entwickelung stehe. Denn wä-ren wir nur im Staude, hinlänglich weit zurückzugchcn mit unserer For-schung, so würden wir Nachweisen können, daß einst eine Zeit war, inwelcher auch der physische Körper der Sprache von einer niedren Stufezu jener Höhe hinaufcücken mußte, von welcher wir ihn nachher absinkcnsehen; cS ist mit jeder physischen Geschichte der Völker und der Einzel-nen nicht anders, und insofern würde dies nicht im Widerspruch mitaller übrigen Entwickelung stehen, in welcher Fortbildung und Rückgangfür alle Dinge gleich fest geordnet ist. Auch die Dichtung und jederandere Zweig geistiger Bildung hat eine solche sinnliche und eine spä-tere geistige Periode. Wenn nun behauptet wurde, die Dichtung sinkemit der Sprache, und damit gemeint scheint, jene erstere Periode derselbenfalle mit jener ersten der Sprache zusammen, so ist dem in derThat nichtso. Unsere alten Dichtungen zeigen cs fast ohne Ausnahme, wie alleBegünstigung durch die Sprache, die schärfste Begriffösonderung, dievielfachste sinnliche Unterscheidung und der größte Wortrcichthum dcrDichtung nichts nützen, wenn die geistige Ausbildung gering oder dieDichter gar gewöhnt sind in fremder Sprache zu denken. Wie aber diesefremden Sprachen auf die unsere gewirkt, darüber Untersuchungen anzu-stellen, scheint eine schwierige aber höchst belohnende Aufgabe^) zusein, deren Lösung nothweudig scheint, wenn die Geschichte unserer
5K) Einiges dahin Einschlägige in Rud, v. Raumer's angeführtem Werke.