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1 (1853)
Entstehung
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71
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Christl. Dichtungen im neunten Jahrhundert. 71

keit in dieser Richtung überdauerte daher auch Karls Lcbzeit und derSinn für diesen christlichen Gebrauch der deutschen Sprache pflanzte sichin seinen Nachkommen fort. Daher finden wir jede einzelne der deut-schen Dichtungen dieses Zeitraums an den Namen eines Karolingersangeknüpft. Die nicdersächsische Evangelicnharmonie ist, wie wir wei-terhin noch hören werden, wahrscheinlich im Aufträge Ludwigs desFrommen gedichtet. Das Werk von Otfried ist in einem AerostichonLudwig dem Deutschen gewidmet. Das Bruchstück eines christlichen Ge-dichtes vom jüngsten Tage^), das nicht frei ist von heidnischen Anklan-gen, und das auch darum von Interesse ist, weil es von Otfried gekanntund benutzt war, ist nach des Herausgebers Vermuthung von Ludwigdem Deutschen selbst auf den Rand eines ihm gewidmeten Buchs aus-gezeichnet worden. Das Lndwigslied endlich besingt einen anderen En-kel Karls des Großen, Ludwig 111.

Die beiden Evangelicnharmonien und alle jene vorhin erwähntenprosaischen Erzeugnisse christlichen Inhalts, die ihnen zum Theil vorher-gingen, haben, wie schon die bloße Zahl der älteren und neueren Aus-gaben"""') beweist, immer eine verhältnißmäßig große Aufmerksamkeit aufsich gezogen, und sie haben vom 10. bis zum 18. Jahrhundert, wie nochOtfrieds ältere Ausgaben zeigen, außer dem sprachlichen und poetischenauch noch ein anderes, das christliche Interesse erregt. In unfern Tagenschlägt mau das letztere nicht mehr hoch au, das sprachliche dagegen umso höher. Gewiß können auch diese ältesten Denkmäler unserer Sprache,gar wenn man die gothische Bibel cinschließt, nicht werth genug gehal-ten werden, und mit Recht hat Grimm jede Zeile gothisch für uns klas-sisch genannt. Die Anerkennung dieses Werthcs jener Werke würde hiergenügen, wenn wir nicht einige Bemerkungen zu machen hätten über dieUcbcrschätznng besonders der beiden Evangelienharmonien, von derendichterischem Werthe wir zunächst zu reden haben, die zum Theil ansVerwechselung dieses mit dem sprachlichen Werthe dieser Werke zu be-ruhen scheint. Wir können in dem Wohlklang der althochdeutschenSprache, in dem mannichfaltigcn Wechsel ihrer Flexionen und Bildun-gen, in dem Rcichthum und der Fülle, die sic darbietet, vortreffliche Ele-mente zu einem poetischen Vortrage finden, ohne darum Otfrieds und

5l) MuSpilli, eil. Schmetter; ln Büchners neuen Beiträgen zur vaterl. Gesch.München 18SS. I, 8S ff.

55) Eine vollständige Angabe aller althochdeutsche»Quellen, mitVerzcichnung derDrucke und Handschriften findet sich bei Rud. v. Raumer, die Einwirkung des Christen-thums auf die althochd. Sprache. Stuttgart 1845»