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1 (1853)
Entstehung
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69
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Christl. Dichtungen im neunten Jahrhundert. 69

den Klostenschulen der Benedictiner entstanden. Von da ans schritt mandann zu freierer Ucbersctzung biblischer und anderer kirchlicher Schriften,zur Umschreibung und endlich zu poetischer Paraphrase vor, wo wir dannim 9ten Jahrh. die beiden Evangelicnharmonien erhielten, die unsernächster Gegenstand der Betrachtung sind. Wir übergehen die prosai-schen Werke, die den Weg zu diesen dichterischen Erzeugnissen bahnten,und begnügen uns, ans der Zeit vor Otfricd die fränkische Ucbersetznngdes Isidor"), die Bruchstücke einer geschickten Uebersetzung des Mat-thäus"), die Interlinearübersetzung lateinischer Hymnen'") ans dem8tcn Jahrh., und ans dem neunten die sogenannte Evangclienharmoniedes Tatian oder richtiger des Ammoninö von Alerandrien") nur angeführtzu haben. Dies letztere gewandt anögeführte Ucbcrsetznngöwerk, daswohl noch etwas vor Otfricd fallen wird, führt uns dicht an den Ge-genstand unserer beiden poetischen Evangclienharmonicn heran, wenn esauch ohne geraden Einfluß darauf war; der Dichter der uiedcrsächsischenuahm bei seiuer Erzählung den Faden des Ammonins zum Führer.

Der Durchbruch dieser großen, zugleich christlichen und sprachlich-nationalen Schriftthätigkeit unter den Geistlichen in und nach dem8tcn Jahrh. ist durch die karolingische Herrschaft veranlaßt, und dieserganze Zeitraum der Literatur ist als ciu fränkisch-karoliugischcr zu be-zeichnen. Karls des Großen edler Bildnngsciscr umfaßte schon alle dreiGrundclcmente der neueren Cultur zu gleicher Zeit. Er pflegte das Alt-klassische, aber dies konnte bei der Rohheit der Zeiten nur das Eigen-thum weniger Gelehrten bleiben, wie sie sich an Karls Hofe zu heiterenGcistcöspielen znsammcnfanden. Er sammelte die alten Volkögesänge,aber ihr heidnischer Inhalt, wie national er war, konnte sich neben derneuen strengen Religion nicht halten. Er arbeitete für die Ausbreitungund Einprägnng des Christenthumö, für die Bildung der rohen Geist-lichen zum Verständlich der Schrift und zu allerlei Wissenschaft. Unddiese Thätigkeit, die in dem ganze Triebe der Zeit wurzelte, hatte dienachhaltigste Wirkung auf die ganze Volksbildung, der wir auch gleich

48) Isidoei I1is>ialensis de nativitute Domini epistolae vensio lVancica saee.ootavi, X Iloltrmann. Laeolsnuliae 1830.

5V) Draxinenta tlieotisca vensionis antiijuae evanxelii 8. Alattliaei, ed. k!nd-Ncliei- et Holtmann. Vind. 1834. Zweite Ausg. von Maßmann. Wien 1841.

5t) Dzinnornm vetenis ecelesiae XXVI intenpn. tlieotisca. ed. ,1. 6mmm.Oöttinx. 1830.

5?) ^mmoaii ^Ivxandrini i^uae et "Datiani dicitnn Oanmonia Divanxelioiminele. vd. d. 8elnnvIIe>'. 4. Viennas 1841.