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Die Dichtung in den Händen der Geistlichkeit.
Kirche selbst, die das Latein für die alleinige Kirchcnsprachc ansah, war-en: Hinderniß. Die arianischen Gothen hatten ihren Gottesdienst inder Volkssprache gehalten nnd die an der Donau Zurückgebliebenen hiel-ten an dieser Sitte noch, wie Walafried erfuhr, im 9ten Jahrh. fest;^)unter ihnen hatte man nicht gezweifelt, daß diese Sprache das wirk-samste und geeignetste Mittel sei zur Ausbreitung christlicher Lehre nndSchrift. Ob aber Caedmon'ö nnd Otfried's und ähnliche Werke mitoder gegen den Willen der Kirche Herfaßt seien, darüber kann man füg-lich mit Jacob Grimm zweifelhaft sein. Zwar nahm sich auch inDeutschland das Volk selbst, oder die Geistlichen für das Volk, der in-nigeren Einpflanzung des neuen Glaubens durch die Vnlgarsprache eif-riger an, als anderswo. Bis aber erst auf den Mainzer Concilicn fest-gesetzt war, daß die Bischöfe die Homilien entweder lateinisch oder deutschvortragen sollten, bis dem Volke gestattet war, das Vaterunser und denGlauben, wenn es denn nicht anders gehen wollte, in der Landessprachezu lernen, mußte schon Karls des Großen freierer Geist gewaltet haben,es mußte seine Sorgfalt für die deutsche Sprache vorauögegangcn sein,wiewohl einzelne Gebete und Formeln, Uebersctzungen, Auslegungen,Ermahnungen, Kirchengesänge und Ordensregeln aus älterer Zeit Vor-kommen. Wie viele Mühe kostete cs aber, bis man nur die Sprachediesen Versuchen gewachsen gemacht hatte! Denn bisher hatte man dasDeutsche nur zum Volkslied und zum Hausgebrauche gehabt. Jetztsollte es geschrieben werden, und der Pfaffe, der nichts als sein Lateinwußte, fand uicht einmal die nöthigen Buchstaben, um die Aussprachezu bezeichnen; und die cs schreiben sollten und wollten, waren oft garFrcmde. Man mußte den mechanischsten Weg nehmen, bis man sichmit der Sprache verständigen konnte. Das lateinisch-deutsche Wör-terbuch, das man gewöhnlich dem heiligen Gallus znschreibt, ist dcrVcrsuch eineöe Mannes, der der alemannischen wie der lateinischenSprache gleicherweise nicht ganz Meister war. Nach fremden gramma-tischen Begriffen, durch Leute, die in fremder Sprache erzogen waren,mußte sich das Deutsche erst bilde», um den schriftlichen Quellen desChristenthums allmählig gewachsen zu werden. Daher besitzen wir ausden Zeiten vor und um Otfried so viele deutsch-lateinische und lateinisch-deutsche Wörterbücher, zu gelegentlich praktischem oder allgemein wissen-schaftlichem Gebrauche, so viele Glossen, Interlinearübersetzungen undähnliche Hülfsmittel zur Erlernung der Volkssprache, die namentlich in
48) lMIas, e6. Kabeleelr et l.oel)e 2, 2, 7.