Druckschrift 
1 (1853)
Entstehung
Seite
62
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62 Wirkungen d. Vvlkcrwand. auf d. geschieht!. Volksgesang.

Leser, da auch der Vater und der Sehn wissen, sie bekämpfen einander.Hier wird nicht der Kampf wie dort ins Scherzhafte gezogen, keine über-raschende Wirkung in Worten noch in Semen ist gesucht, gewiß würdeauch der Schluß nicht die possenhafte Wendung gekannt haben, wie jenespäteren Lieder. Wäre uns dieser Schluß erhalten, der gerade in denverschiedenen dichterischen Bearbeitungen und in der Viltinasagc so ver-schieden behandelt ist, so würden wir noch deutlicher erkennen und beur-thcilen, ob und in wie weit unser Lied dem größeren Sagenkreise nahesteht. Der Ausgang in jenen späteren Liedern gibt dem Inhalt den Cha-rakter einer einzelnen Begebenheit; sie suchen diese in sich selbst zu vollen-den, sic bieten Witz, Scherz und Alles ans, um dieser einzelnen Begeben-heit Reiz zu geben, und gerade damit geben sie ihr ein beschränkteresInteresse. Diese Lieder tragen, um wieder hieraus zurückznkommen, ganzden Charakter, der auch in jenen langobardischcn Romanzen gelegenhaben mag, wo immer einzelne geschlossene Begebenheiten der Gegen-stand waren. Als aber durch die Völkerwanderung jene weitere Thcil-nahme an einer umfassenden Sage von einen: Weltereigniß, das sich inein einziges Gemälde nicht fassen ließ, angeregt war, nun mußte jedeseinzelne Ereigniß in Bezug auf jcneö Ganze gesetzt werden. In diesenBezug ist das Hilvcbrandlied gesetzt, und in diesem seinem rhapsodischenCharakter liegt der eigentliche Werth und die große Bedeutung desselben.Aus dcmAlterthum der ncucrenWclt gibt es wohlkaum eine rhapsodischeErzählung, welche das Gepräge dcS Zusammenhangs mit einem weiterenepischen Ganzen so deutlich an sich trägt, wie dieses Licd "), das gleich imAnfang bei der Andeutung von Hildcbrands merkwürdiger und grvßerVcr-gangenhcit das Interesse des Lesers weit über die Gegenwart hinwegsührt.Die Tausende von Versen in der Ravcnnaschlacht oder der Flucht gebennicht so ein passendes Bild von jenen Wander- undHeldenzcitcn, wie diewenigen Züge dieses kleinen Liedes, und jenes urkräftige Hcldenwescn,das in späteren Gedichten so leicht durch Sonderbarkeit und Uebcrtrci-bungcn in den Charakter des Eisenfresserischcu übergeht, tritt hier inschmuckloser Reinheit und Würde auf. Auch was die Sage selbst angeht,so ist zwar schon die Zeit Attila'S mit Theodorichs zusammcngerückt, und(der indcrGcschichtebesiegte) Odoaker derSicger, vor demDietrich flieht,aber dennoch scheint in dem Auftreten Odoakcrs und in dem Schauplatz

41) Wenn Lachmann (über das Hildebrandlied) glaubt, der Dichter des Hildc-brandiiedeS brauche die übrigen Theile der Sage nicht gekannt zu haben, so bemerkt W.Grimm sehr richtig dazu: Möglich! aber sehr unwahrscheinlich ! so daß fast zu leugnen.