Druckschrift 
1 (1853)
Entstehung
Seite
60
Einzelbild herunterladen
 

60 Wirkungen d. Vvlkcrwand. auf d. gcschichtl. Volksgcsang.

legen, und zwei Elemente auf einander wirken zu lassen, zwischen denenes kein Bindemittel jemals gegeben hat nach jemals geben wird. Washaben nicht die 6osta komaiwi-um ans die einzige Beobachtung hin, wiedie römische Cultnr in das Recht aller Völker eindrang was die reali<!i ki-anoia auf die Betrachtung der Verdienste der fränkischen Könige umdas Christcnthum hin, alles Wunderbare gedichtet und znsammcngeftellt!Nicht anders war es in Bezug auf die Völkerwanderung.

Die großen Verhältnisse, in denen sich die deutsche Sage der Naturder Geschichte nach, von Anfang an bewegte, mußten gleich ihren erstenAnfängen die Fähigkeit mittheilen, sich an einander zu reihen, zu wach-sen, sich innerlich auszubildcn; sie veränderten das historische Lied, dassich auf einzelne Thatsachen bezog, jene Gesänge, über die wir oben soviele Zeugnisse hörten und von denen uns das Lndwigölicd ein spätesBeispiel gibt; sie setzten diesen in sich fertigen und abgeschlossenen LiedernRhapsodien zur Seite, die sich als Theile ans ein größeres Ganze bezie-hen ließen. Den Nordländern entgeht ein ansgebildetes Epos und ebenso jene Anfänge, die in sich die Anlage gehabt hätten, sich zu einem sol-chen zu bilden.

Die nordische Dichtung kennt den Sigurd daher überall in Fami-licnverhältnissen und vereinzelter, wo ihn die deutsche Sage in großeVerbindungen bringt, in den Kreis des Dietrich zieht, an sein Schicksaldas Schicksal von Völkern knüpft. Wer diese Siegfriede des Nordensund der Deutschen vergleicht, wer die Volsunga- und Viltinasage nebeneinander liest, wer ein Eddalicd mit dem Hildcbrandliede zusammenhält,der wird sogleich finden, daß die seandinavische Dichtung überall dasAbrunden einzelner, herausgehobencr Begebenheiten liebt, die deutscheaber überall einen großen Zusammenhang voraussetzt. Darum fugtesich Sigurd in die Dietrichsage nur schwer, und darum ist Dietrich seiner-seits in den Norden fast gar nicht gedrungen. Dennoch war die gothischcSage so weit verbreitet, daß sie bis nach England kam, wo uns Winkeerhalten sind, nach denen viele Helden der Sage für unö verloren gin-gen. In diesen Zeugnissen schon werden überall jene großen Verhält-nisse angedeutct, und jener weite Umfang, der hier durchaus charakte-ristisch ist; und diese treten auch indem berühmten Hildcbrandliedehervor, dem fast einzigen Reste, der uns auf die reiche Volksdichtungblicken läßt, die im 8.10. Jahrhundert geherrscht haben muß, ehe eSden Geistlichen gelang, diese Trümmer des Heidenthums dem Volke ganzzu entziehen.

Wir setzen die Arbeiten der Gebrüder Grimm und Lachmann's über