Grundlagen des deutschen Vvlksepos.
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unstreitig eine der Hauptursachen des Mißfallens, das so Viele an diesenDichtungen finden. Das Faßbare und Einfache verschwand aus der Ge-schichte ; an die Stelle der Kraft trat die Macht, an die Stelle des Vaterlandesdie Welt, an die Stelle des Einzelnen die Massen; man kann Alles zusammen-sasscn: an die Stelle des einfachen Handelns, wie es Verhältnissen undUmständen gegenüber, dem Menschen dcö ursprünglichen Jnstinetes noth-wendig wird, ein weitaussehcndes aus Plauen und Grillen, aus Ideenoder Launen fließendes Bestreben. Dies ward weiterhin der Charakter derFürsten im Mittelalter und ihrer Handlungen, cs ward der Charakter derDichtungen und der darin erzählten Begebenheiten. Dies geschah seitdem deräußere Glanz der arabischen Reiche das Altrömische, und seit Karl derGroße die alten Könige dcrVölkerwandcrung übcrbot. Sein Auftreten alsWelterobcrcr, der unerhörte Glanz seiner Herrschaft, seine großen Ent-würfe, sein Weltüberblick in den Ideen von Einem Christcnreich undEiner Kirche, mit Einem Gott und Einem Cultus, seine Entwürfe zurVerbindung von Flüssen und Meeren, seine Verhältnisse zu den Chalifen,sein Wcgspringen über mehrere Jahrhunderte bei Erneuerung des römi-schen Kaisernamens, alles dies sind in der Geschichte und Wirk-lichkeit Erscheinungen, welche den Erfindungen der Dichter entsprechen:was Wunder also, wenn der Lobgesang auf den heiligen Hanno dieThaten Karls mit denen dcö Cäsar in Eins verschmilzt! Aber schon langevor Karl finden wir dies Verschmelzen geschichtlicher Erinnerungen:wenn Jemandes von seinen Franken das kaum sich erholende Trojawieder zerstören läßt, oder wenn Attila und Thcvdorich und Hcrmanrichneben einander gerückt werden! Dieses Bestreben „auf ein einzigesHaupt den Glanz langer Jahrhunderte zu sammeln, oder auch den Reich-thum einer einzigen großen That wieder auszutheilen unter mehrere Ge-schlechter," das Zusammcnrücken von Räumen, Zeiten und Menschen istder germanischen Sage Uranfangs so natürlich, sie ist schon ganz frühedarin so übermäßig kühn, wie cs nur so ganz ungewöhnliche Zeitenmöglich machen, die uns auch die Geschichte selbst nur im großen Nebec-schlag der Jahrhunderte vorlegen kann. Welch ein Doenment ist dafürnicht das Eine angelsächsische Wandercrslied! So riesenhaft drückt diePhantasie eines jungen Volkes die Länder und Geschichten zusammen,die ihm anscinanderzuhalten zu unbequem wird! Ein solches Beispielvon der Art und Weise, wie die dichtende Kraft so früher Zeiten mitThatsachcn und Räumen umspringt, sollte hinreichcn uns die richtigenBegriffe von der geschichtlichen Anlehnung einer Sage zu geben; solltehinreichcn uns davon abzuschrecken, das Maß unserer Kritik an sie zu