58 Wirkungen d. Völkerwand, auf d. geschieht!. Volksgesang.
Sigismunde die alten griechischen Romane, nachahmen lassen, allein umoriginal zu bleiben, mußte man, wie Milton, den Himmel und die Hölle,oder wie Andere, die Geisterwelt zu Hülfe nehmen; daö räumlich Ro-mantische, um diesen Ausdruck zu gebrauchen, hörte, wie eö mit einemeinzelnen verschlagenen Reiseabcntenrer in der Odyssee oder in der jüdi-schen Sage begonnen hatte, mit einem einzelnen Rciseabentcurer, demRobinson, vollständig ans und konnte selbst dann nur als Kinderbuchseine größte Wirkung machen.
Das deutsche Nationalepos kam durch diese Verhältnisse in eine ganzeigene Lage. Es hatte die vage Schaubühne und den ungeheuren Spiel-raum der französischen Gedichte nicht, welche sich über den ganzen Ostenansbreiten, es hatte aber eben darum auch manchen Gewinn an Vorstel-lungen nicht; hat es nicht ganz in dem Maße die Unbestimmtheit derOcrtlichkeiten, so hat es doch die Unbestimmtheit der Thatsachen. Diesliegt eben in dem Charakter der Geschichte, die seine Grundlage ist. DerCharakter jener Stoffe, die wir noch in und nach der Völkerwanderungausnahmsweise in dem engeren Stamme der Langobarden herrschensahen, jener Erzählung von Hermanrich bei Jemandes, der Charaktereinzelner Begebenheiten und enger heimatlicher. Verhältnisse mußte seitDer Völkerwanderung nothwcndig aushören. Die früheren kleinen Ereig-nisse wurden von den ungeheuersten Bewegungen verdrängt, der feste vater-ländische Boden mit der ungewissen Fremde vertauscht, die kleinen thätigenhabsüchtigen Könige, wie noch im Walther, weichen jenen in erhabenerUnthätigkeit ruhenden, nur schwer im Kampf erscheinenden, reichen undglänzenden Herrschern, die die Dichtung vor Attila und Theodorich sowenig kennen konnte, wie die Wirklichkeit selbst sie kannte. Sobald sieerschienen waren, strebte die Dichtkunst, diese großen Persönlichkeiten inihr Gebiet hcrüberzuziehen, wo sich dann bald die poetischen Sagen umsic versammelten. Der Dichter, sagt Dahlmann, will durch seine Schö-pfungen die Gegenwart übcrtrcffen, nur klein war da der Lohn des Bei-falls oder der Gunst, der sich durch Besingung der Kriege kleiner Landes-könige unter einander gewinnen ließ. Das hieß weit unter dem stehen,was die Gegenwart leistete. Er sagt es in Bezug auf einen besonderenFall bei Saro: es läßt sich auf die gesammte Dichtung des Mittelaltersanwenden. Geblendet an den außerordentlichen Gegenständen, welchedie wirkliche Welt darbot, unfähig, diese zu übermächtige wirkliche Weltzu zwingen, rang die Dichtkunst, sie noch zu nberbietcn und mußte noth-wendig in jenen Hang zum Uebectreiben verfallen, dem man in allenmittelalterlichenDichtungen sogar den inneren Zwang ansieht. Hier liegt