5Z Wirkungen d. VölkeNvand. auf d. gcschichtl. Volkögrsang.
Bekanntschaft mit dcn Römern cmf die Deutschen mit der Zeit ausübcnmußte. Ein endemisches Volk, daö nur kleine Kriege, Abenteuer undenge Verhältnisse konnte, plötzlich in die vielfältigsten Berührungen miteiner gebildeten, wclthcrrschcuden Nation gebracht, in einen ungeheurenKampf der Waffen und der Cultur mit ihr verwickelt, wo cs im erstercuin eben dem Verhältnisse siegte, als eS im anderen unterlag! Ein Kampfvon zehn Jahren hatte einst in Griechenland alle früheren Sagen in sichausgenommen und verschlungen; was Wunder, wenn unter einem Wett-kampf von halb so vielen Jahrhunderten in einem weniger mitthcilungS-lustigen Volke jede ältere Erinnerung bis auf die leiseste Spur ver-schwand ! Es war eine Bewegung, die nicht etwa einen unwillig folgen-den König von seiner Familie riß, sondern die einen Volköstamm nachdem andern aus seinen ursprünglichen Sitzen lockte; nicht ein Zug nacheinem geraubten Weibe, sondern ein Kampf um Recht und Sitte undum dcn Besitz der Welt. Und die Folgen waren hier nicht ein zehnjähri-ges Umirren eines verschlagenen Häuptlings, nicht die Zersprengungeines Völkerstainms, die Ausführung von Colonicn an nahe Ufer mitBewahrung derSprache, der Sitte, des Verkehrs, der Spiele und Orakeldes Mutterlandes; cs war eine Jahrhunderte lang wogende Bewegungungeheurer Volksmassen, eine ewige Trennung vom Vatcclandc, eineThcilung in Staaten, eine Schöpfung neuer Nationen, eine Zersplitte-rung in drei Wclttheilc, ein Ausgeben der heimischen Sprache und Sitte,ein völliges Vergessen der alten Sitze, und Vertilgung der mächtigstenReiche und der ausgebreitetsten Cultnr. WaS in diesen Zeiten Rüstigkeitund Kraft hatte, wandcrte in die Fremde mit; daö Glück der Frühemreizte den Versuch der Spätem; stets neue Begebenheiten verschlangendie alten selbst mit der Erinnerung daran.
In allen romanischen Landen, wohin deutsche Stämme kamen,schwand der alte Volksgesang schnell vor der römischen Cultur. Ju Spa-nien ging die lateinische Dichtung ihren Weg ungestört fort. Unter denGeistlichen der Ostgothen war griechische Bildung schon in ihren Sitzenan der Donau zu Hause gewesen; in Italien bemächtigte sich Cassiodorihrer Geschichte, nicht im Sinne des Volks, sondern in gelehrten oder-politischen Absichten^); ihn zog Jornandes leichtfertig ans, ohne eine
38) (tassiod. Van. IX, 25. Onixinsm golliieam bislnniam lecir esse nomauam:ooUixeus >>uasi ill unam vononam xenmeu llonidum, <)uod pen libnoiuim campospassim luenar aale dispensum. kenpendile, luanlum vos ia »oslna laude dilexe-r'N, c>iii veslni pniadpis naüousm doeuit al> autiiiuNate minadilei» , ut sieul luislis