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1 (1853)
Entstehung
Seite
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58 Wirkungen d. Völkcrwand. auf d. gcschichtl. Volksgcsang.

Die historischen Namen in unserer VolkSepvpöc weisen uns ans dieZeiten der Völkerwanderung als ans die der Entstehung der Sage hin.Versetzen wir uns in das siebente Jahrhundert, ins Innere von Deutsch-land, entblößt von der Wissenschaft römischer Geschichtschreiber in denGesichtskreis deutscher Beobachter, so werden wir noch kaum eine Kundeübrig dcukcu dürfeu von einem gothischen Reiche, das verschwunden war,aus desseu Blüte nur noch der Name des ersten Hauptes in die Folgezeitherübcrragtc. Die hunnische Herrschaft war auS den Grenzen der deut-schen Sprache, nicht aus dem Gedächtnisse gewichen, denn jener Attilaschien der eigentliche Held solcher Wandcrzeiten gewesen zu sein, in dessenDienst der Gothc ein Vasall war, der sich bald wieder auf den Trümmern derhunnischen Macht erhob. Im Inneren war Deutschland nach unaufhör-lichen Auswanderungen erschöpft, die Geschichte drängte sich über dieGrenzen, Langobarden, Normannen, Angeln erhielten glänzende Sagen,denn sie verrichteten große Thaten. Wenige Völkerschaften blieben inDeutschland in geringem Ansehen; mit den heidnischen Sachsen undDänen verfeindete sich der neue Glaube, der sich im Westen ansbreitcte.Thüringen verschwand bald und hinterließ kaum ein dürftiges Andenken;die Alemannen wurden und blieben von den Franken ganz verschlungen;Burgund fiel mit Franken zusammen, es verlor sich langsam, und erstnachdem es an den hervorstechendsten Begebenheiten in der fränkischenHerrschcrfamilie Theil genommen. Diese Familie allein trat in den Vor-grund der Geschichte: Könige, deren Dienstmanncn mächtiger und ge-waltiger waren als sic selbst, deren Haus von Greueln der Habsucht unddes Mordes erfüllt war. Auch dieser Stamm lag schon halb außerhalbdes Gesichtskreises deutscher Sänger, und es war wohl natürlich, daßman seine Sage bald mit der burgundischcn verschmolz, die von der Hun-nenzeit her ein Eigcnthum des deutschen Liedes war. Noch dazu konnteim 8. Jahrh. die burgundiscbe Sage neuen Farbenglanz erhalten, alssich daö untcrgegangcne Reich erneute. Blickt man von diesen äußerenVerhältnissen auf die inneren Triebfedern aller Geschichten jener Zeit, sogeht aller Ehrgeiz eines heroischen Zeitalters auf den Ruhm der Stärkeund den Glanz des Besitzes, was beides den that- und erwcrbsüchligcnHelden von der neidischen Natur und von den Mächtigen unter demMenschengeschlecht streitig gemacht wird. Ein solches Geschlecht mit sol-chen Bestrebungen zeigt uns Geschichte und Sage, jede auf ihre Weise,wie cs unter sich selbst sich ausreibt und uutergeht; ein anderes zeigt unsin den Ottonenzeitcn, und deutlicher in Karl dem Großen und seinenHelden die fortschreitende Geschichte und Sage, wieder eine jede auf ihre