Grundlagen des deutschen Volksepos.
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einer Sage zu kommen, ist darum unmöglich, weil sie Sage ist. Wieschwer ist dies selbst bei der Geschichte, die diese objeetivc Grundlage hat,ein genau Erkundetes, ein Geschehenes, wie es in den Worten (Ge-schichte, liegt. Hier kommt cs ans den Sachverhalt an, bei
der Sage (Legende, wie es wieder in den Worten liegt, auf
das, was die Menschen berichten. Diese lsicberliesernng gestaltet sich beider gerechtesten Beobachtungsgabe der gebildetsten Menschen in jedemMunde um, wie sollte sie unter der bildenden Kraft einer wucherndenVolksphantasic je einen Augenblick stille gestanden haben? Hat sie janach so vielen Jahrhunderten der Vergessenheit der kritische Forscher, derso viele Ehrfurcht vor ihr hat, nicht in Ruhe lassen können, und hat ihrdas Unächte abzustreifeu gesucht, was ihr Andere als acht wieder an-setzen werden! Was hat cs genützt, daß man 1800 Jahre die reineGestalt der Christussagc gesucht hat und ihren historischen oder mythi-schen Kern? Bei jeder Aufstellung einer solchen Gestaltung beginnt deralte Streit wieder von Neuem, denn jeder will von dem Gesagten wiedersagen, da ihn nichts zuverlässig Geschehenes verhindert, das er als ge-schehen stehen lassen müßte. Für den historischen Betrachter also istnichts übrig, als daß er das dürftige Allgemeinste der Sage als jene vageGrundlage betrachtet, die wir ihr allein zusprechen können, daß er, wiedie Sage selbst, sich mit diesen schwachen Spuren schweigend begnügt,und daß er dann mit ihr ihre Verwandlungen durchlebt. Er kann sagen,was die christliche Sage in der Zeit der Apostel, der Kirchenväter, desheil. Franeiseus und der Reformation, und wieder, was sic in allendiesen Bildungsstufen gemeinsam war; er freut sich ihrer in dieser oderjener Gestalt, wenn er sich nur aus der Persönlichkeit, die sie gestaltete,aus der Deutlichkeit, die sie veränderte, aus der Zeit, die sie anders an-sah, alle diese Verwandlungen erklären kann; und er wird sich vor Allemhüten, die Gestaltungen bei ganz verschiedenen Zeiten oder Völkern zuverwirren, was gegen die ersten Grundsätze historischer Kritik sein würde.Betrachten wir nach dieser Ansicht die deutsche Sage, oder den Stoff desNibelungenliedes (denn nur mit diesem, der in den ältesten Zeiten zusuchen ist, nicht mit der Form, die späteren Jahrhunderten angehört,haben wir es hier zu thun), so werden wir der Sage und Geschichte, diekleinen Einzelheiten verschmähend, die auch die Sage nicht beachtet, anseine edlere Weise ihr Recht thnn, beide auf eine befriedigendere Artscheiden, und großartiger von dem geschichtlichen Bestandthcile der Sagewie von dem eignen und selbständigen Werth der sagenhaften Auffassungder Geschichte denken lernen.
Gcrv. d. Dicht, l. Vd.
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