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1 (1853)
Entstehung
Seite
48
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48 Wirkungen d. Völkcrwand. auf d. geschichil. Volksgesang.

schauung der freien Mcnschcnnatnr voraussctzt, konnte im Nordeil nichtentstehen. Die dcrScandinaven, die den Druck feindlicher Gewalten undNaturverhältnisse auf den Menschen zu lange darftcllt, hätte in Griechen-land nicht dauern können. Beides paßte nicht auf den deutschen Boden,am wenigsten ans jene niederländischen und hochdeutschen .Gegenden, wowir so frühe römische Bildung Hand in Hand mit der deutschen erblicken,und wo zuerst unsre Dichtung die Volkssage gestaltend ergriff. Alisdeutschem Boden erblicken wir die Sagendichtung Uranfangs gleichmäßigentfremdet den Ungeheuern der nordischen, den Götterbildern der grie-chischen Mythe; sie lehnt sich in der Menschheit an die Geschichte und inder Natur an das Reich, dem sie eine Geschichte leihen konnte; dasWirkliche, dieser große Grundzug unserer ganzen Dichtung, der ihrdie höchste Ausbildung und Verirrung unmöglich machte, war gleich imBeginne ihr charakteristisches Abzeichen.

Diese geschichtliche Betrachtungsweise, der das durchschaute Vcr-hältniß einer Sage zu dem Boden, der sic erzeugte, fast wichtiger ist, alsihre zu findende Grundlage, hat noch andere Gegner in den systemati-schen Geistern, in den kritischen Untcrsuchern, die gerne auf eine reineGestalt und einen ursprünglichen Kern gelangten. Kern einer Sagewürde man aber nur nennen können, was in Natur oder Geschichte ihrsestliegendcr Grund ist; che man dorthin gelangt, würde man sich immernicht beruhigt fühlen. Zu diesem Grunde könnte man aber nur auf demWege jener historischen und physikalischen Deutungen zu kommen ver-suchen, bei denen wir uns eben so wenig beruhigen, weil die Einen,nach Jacob Grimm's Worten, allzulcichtin leblose Dürre ansartenund das poetische Wohlgefallen an den Mythen stören, die anderen dasgeistige Prinzip derselben verflüchtigen." Wenn cs undenkbar ist, daßwir aus den geringen Zeugnissen und aus den geringen poetischen Restender Sage, so wie aus den Trümmern unsrer alten Geschichte und My-thologie zu einem solchen reinen Kerne gelangen, und wenn alle an sichachtbaren Versuche hierzu nur als Proben scharfsinniger Forschung ihrencigenthümlichen Werth haben werden, so ist es eben so wenig zu vcr-muthen, daß wir mit denselben Mitteln auf eine ursprüngliche und ältesteGestalt der Sage durch kritische Sichtung gelangen können, und selbstLachmann wagte dies nicht zu hoffen. Alles zusammen liegt in der Na-tur der Sache selbst. Die Sage hat keinen solchen festen Grund, vondem sie ausginge, sonst würden wir Geschichte an ihrer Stelle haben,sie hat keinen Augenblick Ruhe in ihrer Ausbildung, außer wo man sieunbeachtet liegen läßt. Objeetiv auf einen Kern oder ans eine Urgcstalt