Grundlagen des deutschen Volksepos.
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werden sich beide je nach ihrer inneren Größe verdrängen oder mischen,es wird ein Held den andern in Dunkel stellen oder sich mit ihm messenund vergleichen, oder gar verschmelzen. Aus der älteren Ucberlieseruugwird immer mehr das Einzelne schwinden; jene Beweggründe, die inden gegenwärtigen Ereignissen unter den Menschen klar vorliegen, gehenam ersten in der Zeit verloren, weil sie das Ideelle, Nnbildliche in demGeschehenden sind; nun hüllen sich im umgekehrten Verhältnisse dieHandlungen in wunderbare Beweggründe, die Wirkungen in wunderbareKräfte; man holt mit demselben kühnen Pragmatismus der Einbil-dungskraft die Erklärung der menschlichen Wunderthaten aus der Natur,oder aus der schon gebildeten Götterwelt, und knüpft die Hcldcnsöhne. an beide an. Im letzten Falle werden sie als Göttersöhne in deutliche,den menschlichen Verhältnissen abgesehenc Beziehungen mit den Götterngesetzt werden, im andern Falle aber, wo eine ausgebildete und tiefge-wurzeltc Götterlehre noch nicht oder nicht mehr vorhanden ist, da wer-den sie mit den unentwickelteren Gestaltungen der Naturkräste, mit Rie-sen und Zwergen Gemeinschaft, und von ihnen Gaben und Kräfte ha-ben. Strebt sich in solchen Verhältnissen die Naturmythe noch in denhelleren Zeiten der menschlichen Sage weiter zu entwickeln, so wird sievon der todten Natur auf die organische, dem Menschen nähere, über-glcitcn, und die Thierwelt gestalten. In solch einer Lage waren dieGermanen bei ihrer Erscheinung in der Geschichte, d. h. bei ihrem erstenZusammentreffen mit andern Völkern. Diese kamen zu früh, und inihrem Gefolge Aufklärung und Geschichte, als daß sich eine große Ucber-lieferung und Ausbildung von Götter- und Hcroenmytheu hätte bildenkönnen. Die Menschensage lockerte sich früh von der Naturmythe ab,die Natursage (im Thierepos) näherte sich vielmehr dem Thatsächlichender Geschichte. Die Heldeusöhne haben mit keinen Göttern zu thun,und mit den pcrsouifieirten Naturkräften treiben sie ein Spiel, das derNcberlegenheit schon sicher ist. Ganz anders in der nordischen und inder griechischen Sage, zwischen denen die deutsche völlig in der Mitteliegt. Die nordischen Mythen sprechen selbst in ihren menschlichen Thei-len ein großes Nebergcwicht der Natur, die griechischen selbst, wo sie ammeisten Naturmythen sind, die Gewalt der geistigen und göttlichen Kräftedes Menschen aus. Die Thiersage, dieses charakteristische Erzeugnißjener mittleren Lage, war daher aus entgegengesetzten Gründen bei denSeandinaven und den Griechen entweder gar nicht oder nicht in der nai-ven, ursprünglichen Gestalt möglich, wie bei den Germanen. Eine derideellen Mythologie der Griechen ähnliche, die schon eine grundtiefe An-