40 Wirkungen -. Völkerwand, auf d. geschieht!. Volksgesang.
tungcn inSchattcn gestelltzu werden, nothwendigvicl bitterer tragen müs-sen, da sich die französischen Trouvöreö mitPerson, Sprachennd Dichtungin die belgischen Provinzen schon im 12. Jahrh. cindrängtcn. Undspäter, als die deutsche Volkssprache im 13—14. Jahrh. wieder einUebcrgcwicht über die französische erhielt, war der Hang zur Geschichteund Reimchronik gerade hier so entschieden, daß ein Maerlant die ganzeältere poetischeLitcratur, die er verdammte, auch gleichsamverdrängtc. Nochmehr: neben einer industriellen nnd politischen Bildung, die hier vor-herrschte, besteht die poetische nicht lange, so wie in Handelsstädten dietheuerstcn Denkmale alter Baukunst dem Bedürfnis; der prosaischen Ge-genwart weichen müssen. Selbst dies ist noch nicht Alles. Wie solltesich eine Sage, die, wenn sie wirklich historische Elemente hat, sich innnentschiedne Mitte zwischen die mcrovingischen nnd pipinischcn Ge-schlechter stellt nnd einen Mcrovingcr zum tragischen Helden macht, wiesollte sie sich erhalten können bei den: steigenden Glanze der Karolinger,der bald alle Gedichte in ungeheurem Umfang füllte und der Stolz allerniederländischen nnd französischen Chroniken ward? Es ist also keinWunder, daß diese Sage anSwandern mußte, wenn sie sich halten wollte.Es ist kein Wunder, daß sie mit einer Auswanderung nach Norden ebenso ihre historische Natur verlor, wie die Thicrsage bei den Franzosenihren flandrischen Charakter, beides nach den Eigenthümlichkciten derNationen, die die Sage übcrkamen.
Diese Verhältnisse müssen cs also erklären, daß eine größere ge-schichtliche Unsicherheit ans diesem Theile unseres Volksepos ruht, diezwar durch manchen glücklichen Fund geschichtlicher Beziehungen mehrnnd mehr anfgehellt worden ist, aber nur durch noch glücklichere Fundeliterarischer Denkmale nnd geschichtlicher Quellen völlig gehoben werdenkönnte. Aber auch so, wie die Dinge jetzt liegen, bietet die Geschichtebereits solche Anhaltspunkte für die Entstehung nnd Beziehung der Sieg-sriedsage dar, daß man kaum noch gerne auch ans die geistreichsten Hcr-leitungcn nnd Auslegungen der mythischen Deuter hört, die der ge-schichtlichen Auffassungswcise cntgcgenstchcn.
Diese Art von Betrachtung ist zuerst von nordischen Forschern aus-gegangen, die der Sigurdsage jn der abcntheuerlichcn Gestalt, welche siein Seandinavien angenommen hatte, alle geschichtliche Beziehung nndalle feste örtliche Anlehnung absprcehen konnten und durften. Unterihnen hat P. E. Müller, der Verfasser der Sagabibliothek, den deut-schen Ursprung der Sage gradczu geleugnet nnd ihn vielmehr in derfrühem, asiatischen Heimat der deutschen Stämme gesucht. Indem er