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1 (1853)
Entstehung
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Grundlagen des deutschen Volksepos.

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Man hat eine weitere Anlehnung gefunden in der Geschichte jener Chro-dichilde von Burgund^), deren Oheim Gundobad ihre Familie vernich-tete und sie dann, obgleich vor ihrer Rache gewarnt, dem noch heidni-schen Chlodwig zur Gattin gab, den sie gleich anfangs angeht, undnach dessen Tode sie noch ihre Söhne anreizt, an ihren bnrgundischcnVerwandten Rache zu nehmen; so daß der endliche Untergang Burgundsim I. 538, der die endliche Folge dieser Anreizung war, mit seinem frü-hem Falle unter Attila in dem Nibelungenliede verschmolzen scheinenkönnte, in dem, wie es nun vorlicgt, die langverfolgte Rache der Krim-hilde allerdings der eigentliche Kern und Mittelpunkt ist.

Wer nun auch in diesen Auslegungen, und besonders in der mitklarem Sinne verfolgten Untersuchung Nnckertö die kühneren Einzelheiten,die wir noch zum Theile verschwiegen haben, mißbilligen, und den Druckder Geschichte anfdic Freiheiten der Sage zu stark finden sollte, der muß dochzugcstehcn, daß die geschichtliche Anlehnung der Siegfriedsage neue Aus-sichten, und ihr Vaterland größere Bestimmtheit dadurch erhalten hat. Allediese Entdeckungen weisen aufdie belgischen und Nordsee-Gegenden, von wodie fränkische Herrschaft ausgcgangen ist, wohin uns auch die Gudrunund die Thiersage leitet; wo in frühem Jahrhunderten derselbe geistigeAufschwung in den Klöstern herrschte, den wir nachher in der Schweizbeobachten, als sich dort die Mönche der süddeutschen Sage annahmen;eben dahin wo der Anfang der neueren nordischen Industrie, wo derdauerndste und gewaltigste Zusammenstoß der Stämme, wo die Haupt-wicge der neueren Dichtung in Nord - und Nordwcsteuropa war. Wiekam cs aber denn, daß die Siegfricdsage in ihrem heimischen Gebiete sogänzlich verschwand, daß man im 11. Jahrh. in den Niederlanden nurunsere deutsche Gestalt derselben zu übersetzen wußte? Auch dies findetgerade in den geschichtlichen Verhältnissen dieser Gegenden seine Erklä-rung. Dies Land hatte zu aller Zeit die Eigcnthümlichkcit, daß es seinegeistigen Erzeugnisse, weil die materielle Thätigkeit zu groß war, fallenließ und Anderen Preis gab; wasmau sogarfast von seiner Sprache sagenkann. Auch das Gudrunlied ist hier vergessen worden und gleichsam nurdurch ein Wunder erhalten; vonder Siegfriedsage aber ist es fastunwider-sprechlich zu machen, daß sie vergessenwcrden mußte. Siewärenothwen-dig in deutscher Sprache verfaßt gewesen, die hier verdrängt ward. Siehätte das Loos der deutschen Sage, von den französischen höfischen Dtch-

34) Gregor von Tours im 2. und 3. Buch, verglichen mit Fredegcir IV, 18. 19.S. Giesebrecht in dem Neuen Berliner Jahrb. der Ges. für d. Spr. II, x>. SIO ff.