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Spuren der ältesten Dichtung
Muthwillen verleiten, über seine winzige Gestalt zn spotten; der Manngibt ihr ihre Hohnredcn zurück, und sie, indem sie ihren Groll darüberunter Heiterkeit verbirgt, ladt ihn zum Sitzen ein und läßt ihn dannmeuchlerisch ermorden. Rodulf crregtKrieg, ihn zu rächen. Am Schlacht-tage sitzt er sorglos und des Sieges sicher im Zelte am Spielbrct, läßteinen der Genügen auf einen Baum steigen, ihm den Gang des Treffensanzusagcn und droht ihm den Tod, wenn er Flucht der Heruler verkünde.Die Langobarden siegen; der Späher aber ruft auf Rodulf's jedesmaligeFrage, die Heruler kämpften vortrefflich. Als er aber die ganze Schlacht-ordnung in Flucht sieht, ruft er: Weh dir, armes Hcrulcrland, das duvom Zorn des Himmels gebeugt wirst! Erschrocken fragt ihn der Könsg:Fliehen meine Heruler? Unv jener antwortet: Nicht ich, sondern Du oKönig hast es gesagt. Nun stürzen die Langobarden heran und hauenden König mit den Scinigen nieder. — Wer kann hier einen Augenblickdie poetische Erzählung verkennen? Oder wer liest bei Paul die Geschich-ten von Alboins Jugendthatcn und Ritterschlag, oder die grausige Sagevon Rosimunde, oder die liebliche Werbung deS AnthariS um Theude-linde, wer die Feindschaften zwischen Grimoald und Bertarit, oder dieNachstellung Kuniberts gegen Aldo und Grauso, oder den Tod des Fer-dnlf, ohne hier überall den vortrefflichsten Romauzenstoff zu entdeckenund die schönsten Stücke poetischer Erzählung, deren Stoff zn abgerun-det, deren Zahl zu groß ist, als daß sie für Geschichte gelten könnten.Ucberall tragen diese Geschichten nordische Züge, vieles erinnert an dieskandinavischen Sagen, aber nicht zn verkennen ist, daß ein freundliche-rer, milderer Charakter bei aller Rohheit, die unterläuft, darüber liegt,daß Planheit und geschichtliche Klarheit sie auSzcichnen, Eigenschaften,die, wenn sie nicht den Liedern selbst eigenthümlich gewesen wären, sogut in Pauls Darstellung mangeln würden, wie sich die entgegengesetz-ten in einigen seiner Sagen im Eingang erhalten haben, wo die Ge-schichte noch im Norden spielt. Die Art des Inhalts und der Vortrag istganz verschieden von den nordischen Liedern in dem lateinischen Werke desSaro Grammatiens, ähnlicher dem Wilhelm von MalmeSbury, dessenLiedcrstoff an Frische dem bei Paul übrigens nicht gleich kommt.
Dieser auffallende Unterschied zwischen Paul und Saro, zwischender Sage von Hcrmanrich bei Jornandes und bei den Nordländern be-rechtigt wieder zu der Behauptung, daß, wären unö deutsche Lieder ausdiesen Zeiten erhalten, wir darin einen ganz verschiedenen Charakter vonden nordischen Eddaliedern finden würden. Einfachere Rücksicht auf ge-wöhnliche menschliche Handlungen, das Geschichtliche und rein Epische, von