in Deutschland.
27
Sänger zu halten pflegte, bis man ihre Gesänge auswendig wußte, undda ohnehin in einer dichtnngsrcichen Zeit der gesuchte Gesang sich auftausend Wegen verbreitet. Eigentliche Nachbildungen deutscher Dichtun-gen sind die Eddalieder freilich nicht, und das hat wohl auch Niemandim Ernste je behaupten wollen.
Ist aber dieser Liedcrstoff bei Jornandes nur gar zu historisch, garzu gerippartig, so liegt dagegen noch eine frische poetische Farbe überden langobardischcn Geschichten des Paul WarnesriedS Sohns (ff 799).Die Langobarden, ein kleiner in sich geschlossener Stamm, nicht wie dieGothen in unzählige Thcilc getrennt, auch ans ihrem Zuge nachdemSüden beisammen gehalten, nicht wie die Gothen gleich der auSgebrei-tetsten Besitzungen mächtig, in Italien nicht nachgiebig gegen das Rö-mische, wie die Ost- und Westgothcn, sondern wild, zerstörend, mit demrömischen Element in steter Feindschaft, nicht durch weitläufige Erobe-rungen zersplittert, sondern immer in sich znsammenhaltend, diese Lango-barden hielten eine üppigere Sagengeschichte voll der schönsten Züge fest.Wir haben freilich keine poetischen Reste zur Vergleichung mit Paulshistorischer Erzählung oder seiner nächsten lateinischen Quelle, dem Vor-worte zu König Notharis'Gesetzbuchs), übrig, allein schwerlich wirdman irgend Jemanden erst überreden müssen, daß eine Menge Stellen inPaul's (schon im Mittelalter vielbeliebten) Buche wirklich auf Liedernberuhen, deren gefälliger Inhalt noch durch den rohen lateinischen Vor-trag anzicht. Der Anfang der Erzählungen trägt noch in dem Geschicht-chen von Wodans Belistung mit den Langbärtcn^) und Aehnlichen einenfremderen, nordischeren Anstrich. Sobald aber der anrückende Zug inhellere Gegenden Deutschlands kommt, so erkennt man hier sogleich, wieunzählige Male in den alten Geschichten zwischen Griechen und Orienta-len, daß ein besonnen und verständig beobachtendes Volk einen geschicht-lichen Stoff auch in der poetischen Behandlung noch der Wahrscheinlich-keit und klaren Anordnung nahe hält. Hier ist ein Beispiel: Der KönigTato kriegt mit dem Herulerfürst Roduls. Die Ursache ihres Zwisteswar diese: Ein Bruder Rodulfs war als Gesandter bei Tato gewesen;als er bei seinem Abzüge vor dem Hause von Tato's Tochter Rumetrudevorbciritt, fiel dieser sein reiches Gefolge auf, und da sie auf ihre Frageerfährt, wer er ist, läßt sie ihn cinladen, einen Becher Wein anzuneh-men. Er kommt mit einfältigem Herzen, das Mädchen aber läßt sich vom
19) Uebcrsetzt in Otto Abel'S Paulus Diacouus. 1849.KO) ?aul. Via«. Oe xestis l,onxoi>. I, 8.