Druckschrift 
1 (1853)
Entstehung
Seite
22
Einzelbild herunterladen
 

22

Spuren der ältesten Dichtung

lieferuugcn zusammengesetzt ein Gemälde dcS gallischen Druidenwescnö,das an die fränkische Geschichte gereiht ist. Den Aventin aber, der ähn-lich aus späteren Meistergesängen und ans dem Grund der Germania desTaeitnS eine Geschichte der deutschen Urzeit zusammcnstoppcltc, führtenichts ans Pricsterthum, weil die ältesten deutschen Erinnerungen nichtweiter als auf ein Kriegerlcben, die gallischen dagegen auf Priester-rcgiment leiten. Wer jener Chronik des Hunnibald die Gestalt gegeben,in der wir sic auszüglich besitzen, gehört offenbar in eine sehr späte Zeit.Ihre Entstehung ist auf belgischem Boden zu suchen, da sie die Frankeildort einheimisch sieht und nach Deutschland auöwandcrn läßt. In ihremVerfasser möchte man einen britischen Geistlichen aus mancherlei Grün-den vermuthcn, was nur zu gut möglich ist, weil die fränkische Geschichteauch sonst in britische Hände gerietst. Sie trägt wie die Chronik vonTongern, der Roman von Busealus n. A. zu viele britische Merkmalean sich, und britische Mönche, die noch sehr spät im Belgischen thätigwaren, haben überhaupt in den abenthcnerlichstcn Theilcn der mirtel-altrigen Sagen und Dichtungen ihre Hände am fleißigsten gehabt. Weres aber gewesen sein magH, der hier die hierarchischen Zustände der altenKelten an die Franken anknüpftc, er beging denselben Fehler, wie Jor-nandes und seine Gewährsmänner, als sie die Geschichte der deutschenGothen an jene Getcn anrcihtcn, die eben dasselbe unterscheidende Merk-mal von den Gothen trennt, wie die Kelten von den Franken. Statt daßden Jornandeö der grundverschiedene Charakter seiner ächt gothischen Ue-berlieferung im Lied oder in der nationalen Geschichte des Ablaviuö undjener getischcn Sagen des Dio auf die Getrenntheit beider Nationenhätte aufmerksam machen sollen, nimmt er nur verschiedene Sitze und mitVeränderung derselben veränderte Bildung an. Und so läßt er uns dennin seinem Auszüge aus Dio, den er so leichtsinnig aufnimmt wie Anniusvon Viterbo und Aventin den falschen Berosus, dasselbe hierarchischeGemälde sehen, das wir auch bei Hunnibald erkennen: Könige mit denVerrichtungen von Priestern, Zauberern und Wahrsagern, oder doch vonsolchen als unabwciölichen Rathgebern umgeben; sein Diecncus erscheintwie Hunnibalds Chlodomir, Hildcgast und Theoral, und wie diese lehrter die Söhne der Edlen theologische Weisheit, Gehcimlchre und Pro-phetcnknnst, er lehrt seine Völker Ethik und Physik, eben wie Hunnibalds

7) Löbell in seinem Gregor ist geneigt, wie Leibnitz den Tritheim für denErfinder dieser Chronik zu halten; dann nberträfe dieser noch weit den neuenSanchuniathon.