26
Spuren der ältesten Dichtung
culcs aber müßte, dem Zusammenhänge nach, von Deutschen selbst be-richtet worden sein; höchstens könnte man bei den Schlachtgcsängen dierömische Deutung einer deutschen Gottheit^ annehmcn. Eö ist nichtsdagegen, daß, so gut als sich später trotz der feindlichen Abstoßung christ-liche und heidnische Vorstellungen, Genealogien und Tempel znsammcn-rückten, srühcrhin auch römische und deutsche Sagen sich vereinen oderauötauschen konnten und daß man bei diesen Berührungen nicht immer,am wenigsten auf deutscher Seite, bei bloßer Auslegung der Namen undBegriffe stehen bleiben, sondern auch Sagen und Geschichten herübernehmen mochte. Allerdings waren dies dann oberflächlich erworbeneBesitzthümer, die von den gebildeteren Vermittlern des Verkehrs mit denFremdlingen cingeführt wurden. So suchen überall, wo Priester desVolkes Bildung leiten, diese gerne eine Verknüpfung der heimischen mitder fremden Sage. So benutzten später die christlichen Geistlichen jedeGelegenheit, die Anknüpfungen an die biblischen Genealogien zu ver-vielfältigen; und sie, die keine andere heiligere Urkunde kannten, als dieBibel, thaten hierin das nämliche, wie die Griechen, wenn sie mit dergroßen Vorliebe für ihren Homer jeden Gegenstand, mit dem sie neubekannt wurden, auf diese Quelle zurückführtcn. So mochten sich, umein weiteres Beispiel anzuführen, Griechen und gallische Priester früherüberbietcn in dem Eifer, die Kelten aus Troja herzuleiten. In jenenZeiten der höchsten Blüte des römischen Reichs, besonders aber seitdemunter Hadrian der lange aufstrebende Hang zu allerlei mystischer Schwär-merei von Asien ans sich in Europa breite Bahn brach, seit von Grie-chen und Römern babylonische und ägyptische Pricsterweisheit so leiden-schaftlich gesucht ward, wo noch dazu dieser Hang gerade mit derVerpflanzung der lateinischen Literatur auf spanischen, gallischen undbritischen Boden zusammentraf, suchte man hier so gut wie im Orienteinen Anschluß an die ähnliche Pricsterschaft dieser keltischen Völker;daher hat schon Timagcnes an gallische Ucberlieferungen die Sage vonEingewandcrten von Troja her angcknüpft und eben unsere Stellen beiTaeitus könnten möglicherweise die erste dunkle Annäherung ähnlicherFabeln auf deutschen Boden ausdrückcu. Dies würde zeigen, daß schonso außerordentlich früh der fremde Einfluß auf unsere dichterische Kultur,wenn auch in geringerem Grade, aufing, der auch im ganz passendenVerhältniß zu dem politischen und anderweitigen Einfluß der Römerstehen würde, und eben wie dieser vorerst noch abgeschüttelt ward; wie
4) Des Sahsnot? Vgl. Mythol. p. SOZ.