Druckschrift 
1 (1853)
Entstehung
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Einleitung.

Müdigkeit vermißt, daß man dies so nachsichtig dulde, wie ich selbst injenen Werken den Mangel dessen entschuldige, was das Mcinige enthal-ten wird; daß man nicht alles Mangelnde gleich ans Rechnung meinerUnkenntniß setze (so manches auch darauf kommen mag); daß man Hun-derte von Dingen, die anderswo besser behandelt sind, hier wenig oder-gar nicht besprochen zu sehen erwarte. Zu einer Menge von Forschun-gen habe ich Winke gegeben; manche leere Stelle ist noch auözufüllen,vie man nur finden konnte, indem man den Versuch machte, das Ganzezu behandeln: so könnte dies Buch vielleicht mit eigener Gefahr frem-den Vortheil schaffen, wenn man diese Lücken berücksichtigen möchte.Dem Verdienst der Forschung selbst nachzutrachten, konnte aber nebenden bereits angcdcuteten Zwecken meiner Geschichte meine Absicht nichtsein. Ueberall galt mir eine alte, von Meistern und Kennern bestätigteMeinung mehr, als eine neue eigne; und ich verzichte ans jedes andereVerdienst, als auf das, waS Horaz nennt: aus dem allbekanntenherauSzugreifcn und durch Anordnung und Verbindungzu wirken. Die Aufgabe war schwierig genug, um jede unnütze Er-weiterung zu vermeiden, und nur nach Geschlossenheit und Ganzheit zustreben. Wer das Verhältnis! meiner Arbeit zu jeder anderen Kunstge-schichte durchschaut, wird vielleicht urthcilcn, cs sei fast eine ganz neueWissenschaft, die ich mir erschaffen mußte; wenigstens müßte es mir un-bekannt sein, wenn mir in dem, was hier cigenthümlich ist, irgendwobedeutend vorgearbeitct oder nur eine Bahn vorgczeichnct wäre. Indemich überall das Innere, daS Geistige und Belebende zu ergründen strebte,war cs namentlich in dem Mittelalter unendlich schwer, festen Boden zugewinnen. Wollte ich den Dichtungen dieser Zeit, über die man sichfast nie anders als in geheimnißvollcn Winken, in hohlen Redensarten,, inblinden Lobpreisungen und mystischen Deutungen vernehmen ließ, scharfins Auge sehen, ihren innersten Werth erforschen und unbefangen daraufein uncingenommenes Urtheil gründen, so war es nöthig, daß ich dieMaterie möglichst erschöpfend durchsuchte, keine noch so gute Vorarbeitkonnte mir da helfen; ich mußte viele hnnderttausende von Versen ausVieser Einen Periode, und manche Theile doppelt und dreifach dnrch-lcscn, ohne daS zu rechnen, was ich mit Lust und Liebe wohl auch zchn-unv mehrfältig gelesen habe, um mich ganz in den Jdccnkreis dieser Zeitzu versenken. Ich glaube, cs ist eines kleinen Dankes wenigstens werth,daß ich mit meiner genauen Lcctüre Niemanden beschwerlich fallen werde,wo ich sie werthlos fand. Und dennoch ist die Muhe, diesen Umfangder mittelaltrigen Literatur zu bcmeistcrn, und die Schwierigkeit, sich mit