Druckschrift 
1 (1853)
Entstehung
Seite
15
Einzelbild herunterladen
 

Einleitung.

15

Ausdauer durch endlose Werke durchzuschlagen, von deren Nichtigkeitman auf dem ersten Blatte überzeugt wird, nichts gegen die größereSchwierigkeit und Mühe, sich wieder aus diesem ChaoS frei zu erheben,mit klarem Auge eS zu überblicken, mit Gerechtigkeit zu bcurthcilen,nachdem man sich so lange bald mit Freudigkeit bald mit Ueberdruß inihm herumgetummelt hatte. War man aber auch dahin gelangt, sichendlich den inneren Zusammenhang deutlich gemacht zu haben, danntraten wieder erschwerend die Forderungen der historischen Kunst zu, diezwischen Quelle und Behandlung ein gewisses Verhältnis« fordert, dieden Eindruck, den eine Zeit mit ihren Erzeugnissen macht, in dem Ge-schichtswerke rein und ungetrübt wieder gegeben verlangt, die also eineDichtung, die im Ganzen voll Unbestimmtheit und Unbcwußtheit ist,nicht allzukleinlich zerlegt wissen will, wie denn z. B. Jemand, der anden Minneliedcrn in: Einzelnen viel zergliedern wollte, etwas Unmög-liches unternehmen und etwas Albernes zu Tage fördern würde.

Was die letzte Blütezeit unserer Dichtkunst betrifft, so traf ich daauf eine ähnliche Periode der Gährung, des reformatorischen Treibens,der Bekämpfung des Herkommens, wie in jener: hier ist zwar Alles be-stimmt und leicht zu erkennen, aber durch die Masse der Erzeugnisse, sowie durch die Vielseitigkeit und Größe der handelnden und schaffendenGeister und die wilde Verwirrung und Durchkreuzung der Bestrebungenwar die Behandlung noch viel schwieriger. Hier hatte ich dazu, wie ichschon oben sagte, keinerlei Vorarbeiten, wenn ich die Winke in Göthe'sLeben ausnehme, und blieb mir ganz allein überlassen. Ob es mir ge-lungen ist, jene geistige Revolution darzustellen und ohne Vorbild eineErscheinung in der literarischen Welt zu schildern, deren bloses Da-sein außer der politischen Welt bisher kann: geahnt zu sein scheint, obes mir glückte, von dem gehobenen inneren Leben dieser Zeiten etwasmehr als einen todten Begriff zu geben, muß ich dem Urthcil der Leserzu entscheiden überlassen.

Welcher Werth aber auch diesem Werke, in seiner Vollständigkeit,zuerkannt, welche Wirkung und Dauer ihm zu Theil werden sollte, dasBeste dazu wird nur die Größe seines Inhaltes gethan haben, der dasVerdienst der Nation ist; das kleine Verdienst, das der Verfasser seinnennen kann, ist nur das des unverdrossenen und vielgewanderten, ichweiß nicht ob auch wohlbewanderten Wegweisers. Das große Gebietunserer poetischen Schöpfungen liegt hier weit ausgebreitct vor; derKern der schönsten Empfindungen und wie vieles von wahrer Weisheit