Druckschrift 
1 (1853)
Entstehung
Seite
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Einleitung.

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gerichtet, so glaube ich doch nicht anders als gerecht von dem Alterthumund seinen Verehrern zu denken. Ich werde mich strenge hüten, in denübertriebenen Ton der Anpreisung dieser Dichterwerke einzustimmen,denn dieser hat wohl Manches dazu bcigetragen, daß sie nicht mehr Ein-gang fanden. Ich will nicht für die Bearbeiter und gelehrten Kennerdieser Literatur schreiben, nicht für eine besondere Klasse von Lesern, son-dern, wenn es mir gelingen möchte, für die Nation. Ich möchte denMeisterwerken unserer Dichtung gewogene Leser verschaffen, aber dannmuß ich auch Zutrauen in meine Wahrhaftigkeit erwecken; ich muß nichtmarktschreierisch anpreisen und täuschen; was ich für acht ausbiete, mußauch wirklich acht sein; und dies wird es weiter entschuldigen können,wenn ich vorsichtig nnr Weniges, nur das Erprobteste ausführcnd be-handle. Wer eine Geschichte der Dichtung schreiben will, darf, wieGrimm verlangt hat, seiner Forschung kein Ziel setzen: er muß Gu-tes und Schlechtes gleichmäßig seiner Betrachtung unterwerfen. Weraber zugleich darstcllen und in einem Geschichtswerke künstlerisch verfah-ren will, muß seine kleine Schöpfung nach inneren Gesetzen gestalten;er darf kleinliche Untersuchungen nicht vor den Augen des Zuschauersoder Lesers führen; er muß die Spuren der mühseligen Forschung undViellescrci tilgen; und ich schäme mich jetzt fast, daß ich in der Verleug-nung des gelehrten Scheins nicht so weit ging, daß ich die Citate garvermieden hätte. Wie leicht es hier war, die allerglänzcndste Gelehr-samkeit auszulegcn, weiß jeder, der in der Zunft ist, und es wäre, dünktmir, an der Zeit, ganz laut zu sagen, wie leicht das ist. Denn ich bingar nicht der Meinung derjenigen, die es für billig halten, daß die Leserzum Beweis unserer Gründlichkeit und Zuverlässigkeit Citate verlangen(es sei denn in einem Buche ausschließlicher Forschung), und für diesenZweck würde ich auch niemals nur Eine Note unter ein darstellendesWerk setzen. Wer Zuverlässigkeit und Gründlichkeit nicht aus anderenMerkmalen gewahr werden kann, für den freilich möchten Citate dasWichtigste sein, aber mir wäre ein solcher eben nicht der liebsteLeser.

Ich möchte indeß nicht so mißverstanden sein, als ob ich mit diesenAnsichten oder mit dem Werke, das ich hier darbiete, den eigentlichenWerken über Literatur und Bücherkundc entgegentrcten wolle; auch diesemüssen bestehen, und ich weiß es nur zu gut und bekenne es mit Ver-gnügen, daß ohne sie das Meine gar nicht hätte entstehen können. Nurwünsche ich, wenn man bei mir zu wenige literarische Nachweisungcnfindet, wenn man Lücken anderer Art sieht und Ausführlichkeit und Voll-