Einleitung.
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I sichtbar unsere Literatur nun so über Europa zu herrschen beginnt, wie? einst die italienische und französische vor ihr über Europa geherrschthaben.
Diese ungewöhnlich gefaßte Aufgabe konnte ich nicht hoffen, aufdem gewöhnlichen Wege zu lösen. Ich wünschte nicht den Leser zu täu-schen über was er in dem Buche finden wird. Es weicht besonders darinvon allen literarischen Handbüchern und Geschichten ab, daß es nichtsist als Geschichte. Ich habe mit der ästhetischen Bcurtheilnng der Sa-chen nichts zu thun. Der ästhetische Bcurtheiler zeigt uns eines Ge-dichtes Entstehung aus sich selbst, sein inneres Wachsthum und Voll-endung, seinen absoluten Werth, sein Verhältniß zu seiner Gattungund etwa zu der Natur und dem Charakter des Dichters. Der Aesthcti-kcr thnt am besten, das Gedicht so wenig als möglich mit anderen undfremden zu vergleichen, dem Geschichtsschreiber ist diese Vergleichung einHauptmittel zum Zweck. Er zeigt uns nicht Eines Gedichtes, sondernaller dichterischen Erzeugnisse Entstehung aus der Zeit, auS dem Kreiseihrer Ideen, Thaten und Schicksale; er weist darin nach was diesen ent-spricht oder widerspricht; er sucht den Ursachen ihres Werdens und ihrenWirkungen nach und bcurtheilt ihren Werth hauptsächlich nach diesen;er vergleicht sie mit dem Größten der Kunstgattung gerade di eser Zeitund dieses Volkes, in dem sie entstanden, oder, je nachdem er seinenGesichtskreis ausdehnt, mit den wei-tercn verwandten Erscheinungen inanderen Zeiten und Völkern. Acsthctischcr Geschmack muß bei dem Ge-schichtschreiber der Dichtung vorausgesetzt werden, wie bei dem politi-schen Geschichtschreiber politisch gesunder Blick; deshalb aber darf derEine keine publicistischen, und der Andere keine ästhetischen Abhandlun-gen einflechten, falls er auf seinem Felde bleiben will. Bestimmte An-sichten müssen hier und dort zu Grunde liegen; daß dies in meinemBuche der Fall ist, wird jeder Einsichtige finden; leider weiß ich aufkein Lehrbuch der Aesthctik zu verweisen und kann nur zerstreute Quellen,Aristoteles und Lcssing, Göthe und Schiller nennen. Ich bemerke übri-gens noch, daß das Endurtheil des ästhetischen und das des historischenBeurtheilers, wenn beide in gleicher Strenge zu Werke gingen, immer^ übereinstimmen wird; es rechne nur jeder aus seine eigne Weise richtig,die Probe wird die gleiche Summe auswcisen.
Nicht Jedem wird meine Darstellung weit genug, Vielen meine Wahlzu knapp, den Meisten mein Urthcil viel zu streng sein. Dies steht nunnicht zu ändern; nur sehe jeder zu, daß er nicht an dem Einzelnen Anstoß