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Einleitung.
scheu Schulen und die Verpflanzung der schönen Literatur unter die prak-tischen und materiellen Römer nährte und steigerte. Dies geschah, alsdas Christenthnm gepredigt ward, das dem Menschen eine neue innereWelt des Gcmüthes erschloß. Das Mittelalter fiel dann in einen schnei-denden Gegensatz gegen die Zeiten des Alterthums. Die reife und volleBildung des Geistes ging verloren; Gefühle, Einbildungskraft, Ver-stand erhielten eine getrennte, einseitige Pflege; dies führte in allenZweigen der geistigen Thatigkcit, in Religion, in Wissenschaft und Staatzu den seltsamsten Verirrungen; die Aufgabe der neueren Zeit war dann,ans diesen Verirrungen zu einer gesunden und harmonischen Thatigkcitdeö Geistes und seiner einzelnen Kräfte zurückzuführcn. Wie dies dieneueren Nationen gcthan, was Italien darin den Deutschen vorgcarbei-tet, warum diesen es Vorbehalten blieb, znm Ziele zu gelangen, läßt sichin jeder Weise vortrefflich darthun: ich versuche es, von diesem Gesichts-punkte aus die deutsche Dichtung in ihrer Geschichte zu entwickeln. Esist ein einziger großer Gang zu der Quelle der wahrhaften Dichtkunst zu-rück, auf dem alle Nationen von Europa die Deutschen begleiten, oftüberholen, am Ende aber Eine nach der Andern Zurückbleiben. Italiener,Spanier, Franzosen und Engländer blieben auf diesem Wege in verschie-dener Weise bei der griechisch-römischen oder bei der alerandrinischen Bil-dung haften; die Deutschen allein setzten den steileren, aber belohnender«:Weg fort und gelangten zur schönsten Blütezeit griechischer Kunst undWeisheit zurück. Göthe und Schiller führten zu einem Kunstidcal zurück,das seit den Griechen Niemand mehr als geahnt hatte. Je weiter sicdarin gediehen, desto unverholener ward bei zwar steigender Selbständig-keit ihre Bewunderung für die alte Kunst, bei steigendem Selbstgefühl inihrer Umgebung, ihre ehrfürchtige Bescheidenheit den Alten gegenüber.Sie leiteten mit Bewußtsein auf die Vereinigung des ReichthumS derNeueren an Gefühlen und Gedanken mit der Form der Alten, und dieseben war der Punkt, nach dessen Erreichung bei den Griechen die Kunstausgeartct war. So war dieselbe Nation, die in ihrer Wanderzeit dieIdeen, welche Sokrates und Christus in das neue Geschlecht zur Bil-dung der Herzen gestreut hatten, und die Keime, welche Aristoteles füralle Wissenschaft gelegt, mit den alten Völkern zugleich vertilgen zu wol-len schien, diese selbe Nation war bestimmt, zuerst die Lehre des Messiaszu reinigen, und dann den Ungeschmack in Kunst und Wissenschaft zubrechen, so daß es nun laut von unfern Nachbarn verkündet wird, daßwahre Bildung der Seelen und Geister nur bei uns gesucht, wie alleBekanntschaft mit den Alten nur durch uns vermittelt werden kann; daß