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Einleitung.
Palme in der Geschichtschreibung zu ringen. Ehedem aber war dies ganzanders. In so Ungeheuern Fernen, mit so außerordentlichem Aufgebot vonFleiß und Ausdauer brauchten die Alten ihre Weisheit nicht zu kaufen.Der Geschichtschreiber des peloponnesischen Kriegs durfte diesen Kampfzweier kleiner Staaten eine Welterschütterung nennen, denn sein Volkwar damals die Welt; er durfte aus seine einfache Beobachtung bauen,und ihrer Gültigkeit eine stete Dauer verheißen, denn noch war jederGegenstand des Beobachters unverschleiert, wie sein eignes Auge, wäh-rend wir mit Vorurtheilen auswachsen, mit widernatürlichen Bedürfnissenund Genüssen genährt werden und kein Ergebniß in der politischen Weltin seinen Ursachen offen vor uns daliegt. Bei uns muß das Lernenanfangen mit der Rückkehr aus einem verderbten und ungesunden Wesenzu der reinen Quelle der Menschlichkeit, von der der Grieche vertrauens-voll ausgehen durfte. Dann erst werden wir berechtigt sein, über unsereZeit, ihre Geschichte und ihre Aussichten ein Urtheil zu fällen; und wennbei solchen Forderungen alle Geschichtschreibung fast ganz bei unsaufhörte und nur Geschichtforschung übrig blieb, wenn die Wissen-schaft sich ganz von dem Leben trennte, so war das traurig, aber natür-lich und nicht befremdend. Und doch scheint cs auf der anderen Seitewieder, als ob wir, die wir so reich sind an Erfahrungen jeder Art, unseben dadurch ermuthigt fühlen müßten, auch diese Behandlung der Ge-schichte wieder aufzunehmcn und in ihr lebendige Belehrung für uns undunsere Zustände zu suchen. Und unter uns besonders, die wir anzufan-gen scheinen, in eben dem Maße uns selbst zu verachten, wie man imAuslande die lang hergebrachte Verachtung gegen uns ablegte, unter unsscheint es doch endlich Zeit zu sein, der Nation ihren gegenwärtigenWerth begreiflich zu machen, ihr das verkümmerte Vertrauen aus sichselbst zu erfrischen, ihr neben dem Stolz auf ihre ältesten Zeiten Freudig-keit an dem jetzigen Augenblicke und den gewissesten Muth auf die Zu-kunft einzuflößen. Dies aber kann nur erreicht werden, wenn man ihrihre Geschichte bis auf die neuesten Zeiten vorführt, wenn sie aus ihrund der verglichenen Geschichte anderer Völker sich selber klar gemachtwird. Allein nicht jede Seite der Geschichte eignet sich eben hierzu; zuirgend einem Ziele, zu einem Ruhepnnkte müssen die Begebenheitengeführt haben, wenn sie lehrreich werden sollen. Keine politische'Ge-schichte, welche Deutschlands Schicksale bis auf den heutigenTag erzählte,kann je eine rechte Wirkung haben, denn die Geschichte muß, wie dieKunst, zu Ruhe führen, und wir müssen nie von einem geschichtlichen'Kunstwerke trostlos Weggehen dürfen. Den Geschichtskünstler aber