Druckschrift 
1 (1853)
Entstehung
Seite
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Einleitung.

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1789 und 1830 Hand an eine Literargeschichtc der neueren Zeit legen?Kaum war nach jener außerordentlichen Gährnng unter unseren künst-lerischen Geistern durch den übersetzten Homer eine Art Ruhe geschafftund cs folgte mit den reiferen Werken Göthc's eine Niedersctznng desGeschmacks und der Sprache, so brachte uns die französische Umwälzungum sein frischestes Wirken; Schiller starb früh weg, und der grelle Ab-sturz unserer Dichtung zu Entartung und Nichtigkeit war im ersten Augen-blicke wohl noch viel abschreckender, als die politischen Begebenheiten derZeit, die uns von der behaglichen Betrachtung unserer inneren Bildungs-geschichte immer mehr abzichen werden.

In den allerungünstigsten Verhältnissen also greife ich den schwie-rigen Stoff einer Geschichte auf, die thcilweise fast eine Zeitgeschichte zunennen ist; kann irgend etwas dem Leser Zutrauen einflößcn, so wird esdas sein, daß er sicht, ich kenne die Klippen, die ich zu vermeiden habe.Und vorsichtig hat mich gewiß die mißliche Aufgabe gemacht, aber ab-schrccken konnte sic mich nicht. Ich erkenne im ganzen Umfange, wievergebens wir Neueren, wenn von Geschichtschreibung die Rede ist,uns mit den Alten zu messen streben, denen Alles nahe lag, Alles leben-dig war, Alles die bestimmteste Beziehung hatte, was wir mühselig ausder Ferne und aus Büchern hcrbeiholcn müssen. Jener Meister der Ge-schichte durfte wagen, der Nachwelt die Geschichte seiner Zeit zurBelehrung und Warnung in wiedcrkommcndcn ähnlichen Lagen zu hin-terlasscn; die kürzeste historische Erfahrung hatte er hinter und um sich,aber ihre Lebendigkeit und Mannichfaltigkeit, die Offenheit und Unvcr-stecktheit des alten öffentlichen und Privatlebens, die Gesundheit derBeobachtung und die Masse der Begebenheiten, die sich in kurzer Zeitund in kleinem Raume ungehemmt, schnell und rasch entfaltete, brachteihn in Beurtheilnng der Natur der Menschheit vielleicht weiter, als unsunsere weitschichrigc Gelehrsamkeit und unser fleißiges Forschen nachden Schicksalen der Welt in mehr als zwei Jahrtausenden, die seitdem,verflossen sind, gebracht hat. Wer heute nicht versteht den Geist fremderZeiten und Völker wie seiner eigenen zu fassen, sich jcderBeschränkthcit inReligion und VolkSthümlichkeit völlig zu cntäußcrn, wer das Leben ver-gißt über dem Buch, und des Buches Geist über dem Wort, wer dieGeschichte der Menschheit versäumt über der der einzelnen Völker undZeiten, wer nicht daS Ganze umfaßt und mit gleich großer Kühnheit wieSicherheit das Treiben von Jahrhunderten mit Einem Blicke überschla-gen kann, sondern am kleinen Maß seiner persönlichen oder nationalenBeschränktheit die Welt anömcsscn will, der darf nicht wagen nach der

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