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Einleitung.
ihrem Verlaufe zeitigen und genießen werden! Hier also lag die größteAufforderung in der Zeit, nicht zum zweiten Male, wie wir cs mit derReformation gcthan, eine ewig denkwürdige Epoche unserer Geschichtevorübcrgehen zu lassen, ohne wenigstens den Versuch gemacht zu haben,eine würdige Erzählung der Begebenheiten jener Zeit der Nachwelt zuhinterlassen.
Daß wir dies damals nach der Reformationszcit nicht gethan, daßwir cs dieses Mal nach der Blüte unserer Literatur noch nicht versuchthaben, daß wir lediglich den alten Werken unseres Volkes in Staat, inWissenschaft und Kunst unsere Forschung widmen, dies scheint mir nichtauS Kälte, nicht ans Undank, nicht aus vorherrschender Neigung deSVolkes zu seiner Vorzeit, sondern aus der Natur unsrer Geschichte selbsterklärt werden zu müssen. Die neuere Zeit und ihre Geschichte spielt aufeiner so ungeheuren Bühne, daß Uebersicht und Bewältigung der Erschei-nungen nur aus sehr weiter Ferne möglich wird.' Die schöne Zeit istnicht mehr, wo ein ThukydidcS, mit glücklichem Alter gesegnet, sich erstder noch dauernden Sitten jener ehrenfesten Zeit der Marathonkämpfererfreuen, dann ein dreißigjähriges Schauspiel der größten Umwälzungenim äußeren und inneren Leben mit unverwandter Aufmerksamkeit verfol-gen, und endlich noch eine lange Reihe von Jahren den Nachwirkungendieser Umstürze Zusehen und Alles in Ein großes Werk nicdcrlegen konnte.Die ähnliche Periode mit ähnlichen Ursachen und Wirkungen, die in derathenischen Welt in Einem Jahrhundert vorübcrging, dehnt sich, nichteben in jedem neuen Staate, aber in dem neuen Europa, dessen Theileohne das Ganze nicht zu verstehen sind, in — wir können noch nicht sagenwie viele Jahrhunderte aus, wir, die wir bereits über drei Jahrhun-derte zusammenhängender Bewegungen hinter uns sehen. Die alte ZeitnnserS Volkes haben wir seit der Auflösung deS Reichs mehr als voll-kommen vollendet; die Arten sind geschlossen; dies mußte, trotz der Ent-fremdung der Nation von ihrer älteren Geschichte für die Geschichtschrei-ber Mahnung und Aufforderung genug sein, ihren ganzen Fleiß jenenZeiten zu widmen, mit denen jetzt voll ins Reine zu kommen ist, derenNachwirkungen immer mehr verschwinden, deren Zustände uns immerdeutlicher werden, je mehr wir uns daraus entfernen. Wer aber sollteim sechzehnten und siebcnzehnten Jahrhundert eine Geschichte der Refor-mation entwerfen, da jede neue größere Begebenheit, die aus ihr in deräußeren Welt folgte, zweifelhaft ließ, wohin alles Geschehene und Ge-schehende zuletzt führen würde, bis erst das vorige Jahrhundert darüberbestimmtere Auskunft zu geben begann. Und wer sollte in den Jahren