Druckschrift 
1 (1853)
Entstehung
Seite
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Einlkitung.

s

inneren Leben ein ersetzendes Verdienst kannte, und eben darin vielleichteine Saat künftiger Thateu keimen wußte, deren stilles Wachsthum essich nicht verküipmcrn lassen wollte. Während unter diesen politischenGeschichtschreibern Charaktere fehlten, wie Möser, dem das ächte Geprägedeutscher Natur aufgcdrückt war, mit der er die getrenntesten Eigenschaf-ten seines vieldeutigen Volkes umfaßte und mit gleicher Hingebung undmit jener gesunden Gründlichkeit sich mit den engsten Bedürfnissen seiner-nächsten Umgebung, wie mit den großen Ausgaben eines Welthandels undeiner riescnmäßigen Staatsverwaltung beschäftigte; während uns hierKöpfe abgingen, die wie Spittler, statt immer und einzig mit ärgerlichemBeifall ans unser Alterthum hinzuweisen, dem wir uns bei jeder nencnBeleuchtung aufs neue mehr und mehr entwachsen fühlten, das auf dieZukunft gerichtete Volk mit der Vergangenheit und an der Gegenwartbelehrt und ermuthigt hätten; während also die für die Gegenwart frucht-bare Behandlung der vaterländischen Geschichte unterblieb, so war es inder Litcrargcschichte noch ärger. Hier setzten zwar Männer, die dasVaterland unter seinen größten Gelehrten nennen wird und welche dieunvergeßlichsten Spuren ihrer Wirksamkeit hinterlassen haben, die Arbeitihres Lebens mit einer nicht genug zu erkennenden Unverdrosscnheit undAusdauer an eben jene Zeiträume, die auch in der politischen Geschichteso viele aufmerksame Beobachter, so viele fleißige Bearbeiter, so vielebegeisterte Bewunderer gefunden hatten; allein für die neuere Literaturder Deutschen geschah nichts. Die Geschichtschreiber in diesem Gebietenahmen folgerecht fast allein Rücksicht auf die alte Zeit, fast keiner abererschien, dessen Werk auch selbst in diesen Thcilen nur ahnen ließe, wietreffliche Forscher hier vorgcarbcitct hatten. Die neue deutsche Literaturaber, so reich, so blühend und mannichfaltig, nahm sich meist überall indiesen Geschichtswerkcn wie ein unfruchtbares Feld aus, ans dem nichts zuerbeuten sei; denn hier, wo ans den Quellen unmittelbar zu forschen undzu urtheilen war, wo noch kein vermittelnder Forscher die Urtheile an dieHand gab, hier wußte sich Niemand zu helfen. Und doch! wie anderswaren hier obendrein die Verhältnisse, als in der politischen Geschichte,die man in der neuesten Zeit ihrer Gehaltlosigkeit wegen eher verschmähenund liegen lassen durfte. Aber hier lag ein ganzes Jahrhundert hinternns, in dem eine der merkwürdigsten Veränderungen in dem geistigenReiche eines der geistreichsten Völker der Erde vorgegangcn war, eineUmwälzung, deren sichtbarste Frucht für uns die Rückkehr ans der häß-lichsten Barbarei zu wahrem, gesundem Geschmack in Kunst und Lebenwar, und deren größte Früchte wer weiß wie viele Jahrhunderte erst in