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Einleitung.
wie in den verwandten Neichen der Künste und Wissenschaften verlangt,wie sollte da ein Einzelner, und besäße er von der Natur im reichlich-sten Maße die Gabe, alle Richtungen des menschlichen Geistes zu ver-folgen, je hoffen dürfen, zugleich der strengen und Einen Forderungder Wissenschaft zu genügen und den gctheilten Erwartungen der partei-tcn Gelehrten, zugleich das wahre Bedürfniß der Gegenwart zu befrie-digen und die irregehendcn Wünsche der Menge, und wieder die Ansich-ten der meist blos sachkundigen Kenner und der meist blos weltkundigenLaien mit Einem Male, gleich vertraut mit Sachen und Menschen, zuberücksichtigen!
Daß die Ziele, die sich der Schreiber einer Geschichte der deutschenDichtung wählen kann, so weit auseinander, so leicht unterscheidbar lie-gen, dies erleichterte mir die Wahl; denn eine Wahl war unvermeidlich.Man wird mir vielleicht verwerfen, daß ich ein zu weites Ziel ins Augefaßte, daß ich meine Kräfte mißkenncnd zurückblieb, daß ich wohl garfür den entferntesten einen Punkt nahm, hinter dem schärfere Augennoch andere erblicken; den stärksten Tadel aber werde ich mir wahr-scheinlich dadurch zuziehen, daß ich in einem Gebiete, wo die vortrefflich-sten Forscher eine bestimmte Bahn vorgezeichnct haben, meinen eigenenWeg einschlug, daß ich mich fast aller Vortheile, die mir ihr Vorgangdarbot, begab, daß ich überhaupt die ganze Behandlungsart geschicht-licher Stoffe, wie sie seit mehreren Jahrzehnten in Deutschland herkömm-lich ward, verließ, und statt einem forschenden Werke der Gelehrsamkeitein darstellendes Kunstwerk zu entwerfen unternahm, und dies in einemFelde, auf dem noch so viele Beschäftigung eben für die forschende Ge-schichte übrig ist. Mir schien es aber, als ob die Geschichte der deutschenDichtung noch von Niemanden ans einem Gesichtspunkte behandelt wor-den sei, welcher der Sache selbst würdig und der Gegenwart und jetzigenLage der Nation angemessen wäre; mir schien es, als ob zu einer solchenwürdigeren Auffassung der Sache auch auf dem hergebrachten Wege nurschwer oder gar nicht zu gelangen sei. Aehnlich verhält cs sich auch mitder politischen Geschichte von Deutschland. Man legte die gewaltigstenWerke an, um der Nation geschichtliche Ehrcndcnkmalc zu setzen, alleinje höher man baute, je gleichgültiger ward das erst in Masse versam-melte Publicum und verlief sich allgemach. Die Ursache war keineandere, als daß man hier nur der Vorzeit Denkmale setzte und sie mitheimlichen oder ausgesprochenen Vorwürfen einer Zeit und einem Ge-schlechte vorhielt, das, wenn cs auch nicht in der Gegenwart großenäußeren Ruhm gegen den seiner Vorfahren zu stellen hatte, doch in seinem