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Die Lusiaden des Louis de Camoes. Verdeutscht von J. Donner
Entstehung
Seite
445
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vierter gelang. 445

gen gelangen zu können. A» dem nämlichen Tage, wo der Ge-neral den Grafen tödtete, saß er eben bei Tafel mit dem Priorvon Guimaräls, welcher sein Freund war und den er heute alsGast bewirthete; desgleichen war sein Freund und Secretair vonSilves bei ihm. der an diesem Tage angekommen. Als man dasGeschrei der Frauen vernahm und den Tumult des zusammen-strömenden Volks, welches sich durch di- Straßen nach dem Pa-läste der Königin drängt-, wobei man die Ermordung des Gene-rals wiederholt auSrief, stand der Bischof von der Tafel auf,verfügte sich mit seinen Gästen und Freunden in das Kloster, undstieg, nachdem man die Pforten der Kirche wohl verschlossen, inder Begleitung Jener auf den Glockenthurm. Als Alvaro Paesvorbcizog, rief die Menge zum Thurm hinauf, daß man läutenlassen solle. Der gute Bischof wußte bei dem großen Wirrwarder Stimmen nicht, wie er es nehmen und warum er die Glockenläuten lassen sollte; zu gleicher Zeit überlegte er, daß die Glockender Kirche da Se nur bei großen feierlichen Freudenfeste» ertönten ;da er indeß, wie gesagt, nicht wußte, um was cs sich hier han-delte, war er unschlüssig, ob er jenen Befehl ertheilen sollte. Alsder Pöbel bemerkte, daß der Bischof keine Anstalten traf, dieGlocken ertönen zu lassen, obgleich er sich auf dem Thurme be-fand, während die Kirchthüren verschlossen waren, die man nichtleicht erbrechen mochte, wurden Leitern hcrbeigebracht, um durchein Fenster einzustcigen. Eiligst wurden nun die Pforten auf-gerissen und es drang in die Kirche, wer Lust hatte. Der größereTheil der Menge blieb jedoch außerhalb und rief,daß man denGlockenthurm besteigen solle, ui» zu sehen, wer sich oben befindeund das Geläut verweigere; wäre dies der Bischof, so sollteman ihn Herabstürzen." Ein Rathsherr und der Alcaide (Bürger-meister) der Stadt erstiegen mit verschiedenen Andern die Wendel-treppe des Thurmes, auf welcher bloß je ein Mensch hinter demandern Platz hatte, so daß es oben leicht war, das Ersteigen derZinne zu verwehren, falls man dies beabsichtigte. Anfangs dachteder Bischof auf seine Vertheidigung, weil er ein Spanier warund (wegen des alten Nationalhasses) die Rache und den Zorndes Pöbels fürchtete; dann aber glaubte er im Bewußtsein seiner