124
Die Lusiaden.
129 .
„»Entsende mich, wo alle Wildheit wohnet,
Zu Löwen, Tigern, und du wirst erfahren,
Daß mich der Kreis der Ungeheuer schonet,
Mehr Mitleid zeigen sie, als ihr Barbaren.
Und mit der Lieb', die mir im Busen thronet,
Will ich die theuern Pfänder um mich schaaren,Die Seine Liebe gab, für den ich scheide:
Ein Trost der Mutter in dem bittern Leide!»
130 .
„Schon wollte sie der König ganz begnaden.
Da tief sein Herz die Klagetone rührten:
Allein das wilde Volk, voll Lust am Schaden,
Und sein Geschick zurück ihn machtlos führten.Ergrimmt dann, die als gut die That gerathen,Das Weib ermorden, Henkern gleich, verlhierten;O schandvoll Würgen hier bei Edellcutcn,
Die um den Dienst mit Henkersknechten streiten!
131 .
„Wie einst sich gegen Polyrena's Leben,
Der schönen Jungfrau, ihrer Mutter Freude,
Der rauhe Pyrrhus drohend mocht' erheben,
Weil sie Achilleus' Schatten heischt' als Beute, —Und sie mit ruhigem Auge, sonder Beben(Gleich einem Opferlamm) den Tod nicht scheute,Vielmehr das Haupt zum Opfer willig reichte,Jndeß sich trostlos ihre Mutter zeigte: