Druckschrift 
Die Lusiaden des Louis de Camoes. Verdeutscht von J. Donner
Entstehung
Seite
53
Einzelbild herunterladen
 

Zweitergelang.

36 .

Die krause» goldnen Locken leicht umgebenDen Hals, der weiß wie Schnee und Hauch der RoseIm Gch'n sieht man die Schwanenbrust sich heben,Bewegt durch Amors unsichtbar Gekost;

Den zarten Leib durchzuckt ein wonnig Beben,

Denn süßer Liebe Frucht ruht hier im Schooße;

Und um die üppigen Hüften gaukelnd rankenGleich Epheu sich berauschende Gedanken.

37 .

Ein zart Gewand dient als des Gürtels Hülle,Wie Sittsamkeit es heischt am schönen Weibe,Doch weder birgt cs ganz die frische Fülle,

Noch zeigt es Alles von dem üppigen Leibe.

Doch hierdurch eben ist's ihr eigner Wille,

Daß Aller Wünsche sie aufs Höchste treibe:

Die Götter merken bald, wie Mars entzündet,

Und wie Vulcan schon Eifersucht empfindet.

38 .

So schwebt sie her mit engelholdem Blicke,

Mit einem Lächeln, das in Trauer schwindet,Gleich einer Dame, welche MißgeschickeErfuhr durch Den, dem Liebe sic verbindet;

Die klagend jetzt, dann lächelnd, gleich dem Glücke,Bald herben Schmerz, bald Götterlust empfindet:Mit solcher Kunst, worin ihr Keine gleichet,

Die Göttin schmachtend sich vor Zeus jetzt zeiget,