I.XII
Luis de LnmSes.
Grade, daß er hinreißt, entzückt. Seine Redewendungen sind diereinsten, die gebildetsten, di- brillantesten: Klarheit und Eleganzsind der Charakter seines Styls, welcher stets voll beweglichenLebens ist und den der Zauber der Harmonie außerordentlich em-pfehlenswerth macht. In seiner Poesie prunkt all der Luxus einerfruchtbar, überreich wuchernden Einbildungskraft, welcher gleich,sam wie der Strom eines durch di- Thaugewässer des aufgehen-den Winters geschwellten Flusses manchmal die Gränzen, dieVorschriften der Kunst durchbricht und überschreitet; aber zu-gleich mit solcher Freiheit und Zierlichkeit, daß man den Fehlerentschuldigt und beredet wird, gleichfalls darein zu verfallen:und das geschah mit Vielen, welch-, ohne seine schöpferische,gigantisch- Zauberkraft zu besitzen, seine Schönheiten nachzuah-men, ihm in seinen Fehlern folgten, — Endlich verdankt dieportugiesische Sprache und Poesie diesem großen Manne so vieleAnmuth und veredelnde Zierden, daß man sicherlich bejahenkann, wie durch ihn allein eine neue Sprache und Poesie in Por-tugal geschaffen worden sind. Er besaß das größte Geschick, dasErhabene zu malen, dessen Glanz, wenn auch allgewaltig, dochdurch ihn so sanft und lieblich erscheint, daß er nicht blendet;vielmehr wird er durch ihn dem Auge zu höchlichem Vergnügenzugänglich gemacht und erschlossen. Im Pathetischen, in derDarstellung rührender und erschütternder Gefühle war er der er-habenste Meister: mit welcher Heftigkeit weiß er hier zu malen,ohne Verdruß und Langeweile zu erregen! Mit welcher Kunstflößt er Liebe, Leidenschaft ein, wie weiß er zu fesseln! Mitwelcher Macht des Ausdrucks behandelt er das Schrcckenvolle! —Aber mit welcher Liebenswürdigkeit schildert er nicht die Anmuth,die Reize der Natur! Ein Morzenroth ; ein hellstrahlender, ru-higer Tag; ein anmuthiger Hain, durchsäuselt von der lieblichenFrische tändelnder Zephyre; eine aus dem Schooße der Felsenhervorsprudelnde Quelle; das Grün der mit Blumen durchwirk'ten und von Bächen gewässerten Triften und Gefilde; die Flüsse,bald heiter fluchend und friedlich rauschend, bald reißend undwild dahinwogend; das Schweigen. die wonnige Ruhe einerSommernacht i das Toben und Heulen der Stürme; der Mond,