Luis de Camöes.
1.11
Als Camöes in Makao angekommen, ließ er sich daselbstnieder und erlangte einiges Vermögen in der Amtsführung alsOb-rv-rwalter des Nachlasses Verstorbener, welche Stelle ihm(nach dem Gewährsmanne Mariz) der Vicekönig zugewicsenhatte, „daß er zusehe. wie er sich dabei aus seiner Dürftigkeitreißen könnt-, die bisher ihn immer umgab;"— allein dieserAnnahme scheint unter Anderm auch der Umstand zu Wider-sprechen, daß er ja Verbannter und vom Vicekönig gewissermaßengehaßt war; und so ist es wohl wahrscheinlicher, daß er diesesAmt durch andere Mittel erlangt habe, welche nicht zu der Kennt-niß seiner Biographen gelangt sind.
Fünf Jahr- wohnte er in Makao ; und man vermuthet, daßer mitunter auch Timor und Ternate besucht habe, Weilerals Augenzeuge die Verhältnisse und Merkwürdigkeiten dieserInseln im 1V, Gesänge seiner „I-usiaclas" beschreibt, einesEpos, mit dessen Dichtung er während jener ganzen Zeit wesent-lich beschäftigt war.
Man erzählt sich als ganz bestimmt, daß er viele Stunden ineiner Grotte zubrachte, um an diesem großen Werke seines Lebenszu arbeiten ; noch heute zeigt man die „Grotte des Camöes" aufder Insel Makao.
Am Ende des angegebenen Zeitabschnittes schiffte er sich nachGoa ein, und langte am 3. September 1561 hier an, wo der-malen Dom Constantino de Braganxa, der Nachfolger PedroBarreto's, als Statthalter regierte. Aus Artigkeit gegen erstemEdelmann, der sich sehr eingenommen für ihn zeigte, dichtete un-ser Epiker die eleganten Octaven, welche beginnen:
„6oina N08 V08808 IlONlbl'08 Ul NI 00U8l3llt68, 6t6."
Er feiert hierin die Heldenthaten seiner Vorfahren und die aus-gezeichneten Handlungen seiner Regierung, Aber während diesernur wenige Monate dauernden Verwaltung (die bereits amSchluffe des nämlichen Jahres 1561 zu Ende ging, woraufDom Francisco Coutinho, Graf von Redondo, folgte) erfuhrder Dichter gar wechselvolle Schicksale; denn als man ihn einigerVergehen in dem Amte beschuldigte, das er zu Makao verwaltet