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Die Lusiaden des Louis de Camoes. Verdeutscht von J. Donner
Entstehung
Seite
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W-nn die Herausgeber unserer Klassiker solch- Männer ge-wesen wären, würden wir heute nicht den Verdruß und den Kum>mer haben, zu sehen, wie ihre Schriften so gar verunstaltetund verderbt worden sind. Und, um das Maaß des Mißgeschicksvoll zu machen, traf dies Schicksal, di- unsinnigsten Verunstal-tungen durch unberufene Hände erfahren zu müssen , gerade dieWerk- des größten portugiesischen Dichters, des unsterblichenCamoeS: hauptsächlich aber sein HeldengedichtDie Lu fin-den", ein Denkmal, welches keine andere Nation, weder desAlterthums noch der Neuzeit, zu besitzen sich rühmen konntenicht als ob es bei vielen dieser Nationen keine großen und aus-gezeichneten epischen Dichter gegeben hätte, sondern wegen derGroßartigkeit der Handlung im Epos der Lusiaden, und weilkeiner jener andern Dichter, wie bedeutend auch sein Genius und seinVerdienst sind, in einem so außerordentlichen Grade, wie Cambes,alle jene Begabungen und Erfordernisse eines großen und wahr-haften Poeten in sich vereinigte: die Größe der genialen Schöpfer-kraft, die Lebendigkeit der Phantasie, den unerschöpflichen dich-terischen Erguß, die tiefe Gelehrsamkeit in jedem Zweige derWissenschaften, der natürliche und eigcnthümliche Antrieb zurProduction, und vor Allem die Wahrheitsliebe, die'Selbstachtungund die Unabhängigkeit und Festigkeit seines Geistes, welche ihnerhaben über all- Launen und Wechselfälle des Glückes erhielt.Allein die Unwissenheit und Dreistigkeit der Herausgeber seinerWerke ging so weit, daß sie neben vielen sehr groben Fehlern derersten Ausgaben, die sie bestehen ließen, anstatt sie zu verbessern,auch noch an vielen andern Stellen den Text verderbten und sogar(unerhörte Thatsache!) selbst den Titel des Werkes verfälschten.

Im Jahre IS72 erschien dieses göttliche Gedicht zum erstenMal in Lissabon, gedruckt in der Officin des Antonio Gonxalvcs ;allein so verunstaltet, daß man nöthig erachtete, im selben Jahreine zweite Auflage zu veranstalten, worin jedoch nur einige Fehlervon wenigem Belang verbessert, dagegen die von größerer Bedeu-tung stehen gelassen wurden, ja man ließ sich sogar neue Ver-stoße gegen den echten Text zu Schulden kommen. Es warenz. B. in der einen wie in der andern Ausgabe die Punkte und