XVI
Vorwort,
sonnene Kritik zu bieten vermag, und ferner, daß schwerlichin einem vor mehr als 30 Jahren erschienenen Werke etwasWichtiges sich finden dürfte, das dem genannten verdientenHerausgeber entgangen wäre, wird dieser meiner Versiche-rung wohl Glauben schenken können.
Aber mit der erschöpfenden Kcnntniß einer Sprache isterst die Hälfte der Arbeit vollendet. Die andere weit schwie-rigere war, das romanische Epos in deutsches Gewand zukleiden, und dabei die Treue des Originals zu wahren, seineedle, schöne Sprache, die Erhabenheit der Gedanken jenesHeldensängers so zu erfassen, daß die ihm nachgebildetcnVerse dem deutschen Ohre mindestens eben so wohllautendklingen, als es durch den Klang der Lieder heimischer Dich-ter gewöhnt ist. Das stellte sich als die Hauptaufgabe dar,denn die Kritik verlang! jetzt mit Recht, daß eine metrischeUebcrtragung aus anderen Littcraturen wenigstens an Formund Ausdruck den Erzeugnissen der nationalen Schriftstellernicht allzusehr nachstehe — sonst soll sie am besten weg-bleiben.
Inwiefern mir gelungen ist, diese Ausgabe zu lösen undsolchen Forderungen gerecht zu werden, mag jeder Leserselbst erfahren; der sprachkundige Kritiker aber wird bei derVergleichung mit der erwähnten Ausgabe Fonseca's finden,daß der Sinn jeder Strophe deutlich wiedergegcben, und oftselbst bis in die Einzelnheiten dichterischen Beiwerks (dasanderwärts wieder weniger Berücksichtigung erfahren konnte)aufgesaßt worden ist. —
Ich konnte im Interesse des Epos der Lustadcn nichtumhin, meine deutsche Uebcrtragung mit der kritischenEinleitung zu zieren, welche die verdienten scharfsinni-gen portugiesischen Herausgeber der Hamburger Original-ausgabe vorausgeschickt haben. Sie ist in allen Beziehun-