daraus, Predigten zu lesen, zu verfassen und den Hausgenossen voneiner Stuhllehne herab mit Feuer und Kraft, zuletzt mit wiithenderEmphase vorzutragen.
Indessen war sein Hauslehrer gestorben und er wurde in dieöffentliche Schule geschickt. Die Geschichte hatte ihn bisher so leb-haft angezogen als das Schauspiel, wobei er sich freilich unter denHelden und Heldinnen der Historie immer Eckhof und die Henselvorstellte. Er durfte sich sagen, daß er in Kenntniß der Geschichteund in Verständniß ihrer Charaktere die meisten seiner Schüler, anästhetischem Gefühl selbst den Lehrer übertraf, aber desto mangel-hafter waren seine eigentlichen Schulkenntniffe. So sühlte er sich,bei hoher Meinung von sich selbst, andererseits gedemüthigt durchden Spott der Kameraden und die Nichtachtung des Lehrers. DerTrieb, der ihn beherrschte, machte sich auch unter diesen UmständenLuft. Er suchte das Ansehen in der Schule, das er durch seineKenntnisse und seinen Platz nicht erwerben konnte, durch Witz undLaune zu gewinnen; er führte mit den muntersten Jungen seinesAlters allerlei tolle und verwegene Streiche aus, wobei ihm seinLieblingsheld, Smollets Peregrine Pickle, als Vorbild vorschwebte,und erregte bei den Seiuigen ernstliche Besorgnisse für seine Zu-kunft.
Nach langer Pause wurde zu Hannover das Theater wiedereröffnet. Da war es die Vorstellung von Weiße'S Richard III.,was die unterdrückte Flamme wieder mächtig in ihm anfachte. Srbeschäftigte sich ernstlich mit sich nnd seiner Zukunft; er fragte sich:„warum heuchelst du der märkischen Grammatik, da du alles fürRichard empfindest? wenn du einst Richard seyn kannst, warumsollst du er nicht seyn wollen?" Und an diesem Abeud entschiedsich eigentlich seine Laufbahn. Er war jetzt endlich überzeugt, daßer sür seinen Beruf arbeitete, wenn er sich entschieden vom Lateinund was damit zusammenhängt, ab und alle seine Scelenkräfte der