Lravr. Genug verloren! Genug! Wie oft habe ich vorden empfindsamen Romanen gewarnt I wie viel Mühe gab ich mir,daß diese Krankheit nie in mein Haus kommen möchte! Ichschaffte Euch gute Bücher und sorgte für jede angenehme Unter-haltung — alles umsonst I — Du freutest Dich, die elenden Phrasenvon ihr hersagen zu hören; Dir schwindelte vor Stolz, wenn einromantischer Aufsatz von dem Mädchen zusammengeschwärmt undherdeclamirt ward! — Ich sprach, ich warnte, ich bat, und wardnicht gehört, nicht geachtet, und — auSgelacht.
Llad. Lravr. Sie hat seines Gefühl von der Natur em-pfangen. Wenn Du nun jeden Ausbruch desselben für Empfindeleierklären willst; so —
Lravr. Ich unterscheide das! Gott gab dem Mädchen einHerz, das wahrlich Edles fühlt, gegen keine Noth des Menschengehärtet ist! -- dabei hättest Du es lassen sollen. Aber das warnicht genug! — und so wurden große Gefühle durch Empfindeleiweg gekränkelt.
Mad. Lravr (unwillig). O das ist nicht der Fall —
Lravr. Wirst es schon noch sehen! Gott hüte sie vor un-glücklicher Liebe I aber Du würdest es dann sehen. — Das Herum-schleichen im Mondenschein — das Besuchen der Kirchhöfe — dasfind alles Folgen dieser Krankheit. — (Weich.) Von mir wendetsich ihr Herz ganz ab.
Mad. Lravr. Du zerreißest mir das Herz mit dieser Be-schuldigung. (Sie sitzt sich.)
Lravr (äußerst gerührt). Ich sehe es leider nur zu deutlich— Ich weiß auch gar nicht mehr, wie ich mit ihr sprechen soll.Ihr Herz leidet I — Jeder Rath ist Bedrückung und Härte I Allesist Elend; und wo kein Elend ist, schmachtet sie darnach, elendzu seyn. Ich gab mir so viel Mühe, ihr die Welt bekannt zu