Doktor. Herrschaft über sich. — Was Sie leiden, würdeihn niederbeugen. Der Mann hält sich so kräftig in die Höhe.
Henriette. Ich will seine Last nicht vermehren. Was michdrückt, will ich allein tragen. Nur muthen Sie mir nicht zu, dietausend Thaler —
Doktor. Ich soll sie an Sie auszahlen.
Henriette. Sie zahlen sie ihm zurück. Das wäre sehrunadelig, wenn ich den geraubten Frieden meiner Seele mir mitGeld ersetzen lassen wollte. Ob es gleich ein höchst adeliger Ge-danke von ihm ist, Treue — Hoffnungen und Freuden des Herzensabkaufen zu wollen.
Doktor. Freilich bedarf Ihr armer Bater —
Henriette. Eine Tochter I Er findet sie ganz in mir.(Sie nimmt den Brief, daran sie geschrieben hat, und durchreißt ihn )Wir sind geschieden. (Eie gibt dem Doktor die zwei Stücke.) Ganzgehöre ich nun meinem Vater. All meine Kraft, all mein guterMuth, alles was ich vermag — weihe ich ihm. Nachts — eineThräne, die niemand steht — dem schönen Traume der Vergangen-heit! — Sind Sie so mit mir zufrieden?
Doktor (faßt ihre beiden Hände, sieht sie an, drückt treuherzig ihreHände, verbeugt sich, Thränen zu verbergen, geht, und da er im Gehen ist,trocknet er die Augen.)
Henriette. Meine Augen werden mich verrathen. (Sie hältdas Tuch daran) Muth — MuthI Ich stehe nun an einer sehrwichtigen Stelle, und gewiß, ich will mich darauf erhalten. (Sietrocknet eine Thräne.) Immer noch Wasser in den Augen I (Siefaßt auf das Herz und seufzt.) O so gib dich doch zur Ruhe; dusollst ja nichts vergessen, was dir lieb und schmerzlich ist, du sollstnur nicht darüber weinen.