Hofrath. Ich will den Kindern, nichr aus Schuldigkeit,sondern aus Mitleid und christlicher Liebe, die Hälfte der Erbschaftabtreten. Was sagen Sie dazu?
Wellenberge r. Halbe Tugend ist keine Tugend, doch istsie bester als Uebelthat.
Hofrath. Nun?
Wellenberge r. Wenigstens muß der böse Feind etwasvon Ihnen gewichen scyn. — Es freut mich wirklich doch.
Hofrath. Trinken Sie —
Wellend erg er. Es ist fast nöthig, denn mir ist von derSeele aus um Jhrentwillen nicht wohl zu Muthe. (Leert dar Gla«vollends ans.)
Hofrath. Was mache ich doch auch da — habe ich überdem Gespräch die Flasche offen gelasten, und der Ehrentrunk ver-riecht — thut nicht- — (Nimmt die Flasche zu sich und setzt ihm dieandere hin. worau» er ihm gleich einschenkt). Hier ist frischer Wein.
Wellend erg er (setzt das Gla« hin). Ich trinke nichts mehr.
Hofrath. Wenn wir fertig und einig sind, zur Ver-söhnung.
Wellenberge r. Mein erstes Wort wie mein letztes ist,alles herauSgegeben — oder den Eid geleistet I
Hofrath. Ach, was ist das — (Schenkt sich von seiner Flascheein.) Trinken Sie, daß Sie Ihrerseits auch ein bischen gut-müthiger werden. Angestoßen.
W ellenbcrger. Neinl Weinmuth ist Uebermuth, guterMuth soll aus dem Herzen kommen, nicht aus der Flasche.
Hofrath. Wissen Sie was mich noch weiter bringt? Ihrredlicher Charakter, die Liebe für Sie; und da meine Tochter nichtstaugt, so gebe ich denn in Gottes Namen, nach meinem Tode,wenn sie mich, so lange ich lebe, in Ruhe lasten, die andere Hälfte