Druckschrift 
3,1 (1827)
Entstehung
Seite
598
Einzelbild herunterladen
 

598

Narcotische und giftige Extracte.

diesem Gemische vermischt man eine concentrirte Infu-sion von Belladonna-Wurzel oder -Blättern, dampft dasGemenge bei gelinder Wärme zur Trockne ab und zer-reibt die trockne Masse zu Pulver. Dieses kocht man nunmit Alkohol von 0,817, und filtrirt diesen kochendheifsab. Die Auflösung ist gelb und hinterläfst beim freiwil-ligen Verdampfen eine krystallisirte Substanz, die sichleicht in Wässer auflöst und schwach alkalisch reagirensoll. Eine charakteristische Eigenschaft der Belladonnaist, dafs sie Erweiterung der Pupille bewirkt; wird eine, Infusion davon in ein Auge getropft, so entstellt in die-sem Auge Erweiterung der Pupille. Diese Wirkung be-sitzt jene krystallisirte Substanz, und verliert sie nicht beiZusatz einer Säure. Man hat daher Grund, diese Sub-stanz für den narcotisch wirksamen Bestandtheil der Bel-ladonna zu halten. Bunge hält sie für eine Salzbasis, hatsie aber im Uebrigen nicht-weiter beschrieben. Man siehtaus seinen Versuchen, dafs sie, wie die extractiven Stoffe,zerstört wird, wenn man die Infusion oder die Auflösungdes Extracts mit kaustischem Kali, oder selbst mit Kalk-erdehydrat im Ueberschufs zu vermischen versucht. Wirddie Infusion von Belladonna mit essigsaurem Bleioxydausgefällt, so bleibt der wirksame Bestandtheil, nebst demim Ueberschufs zugesetzten Bleisalz, in der Auflösung.

Ich erwähnte schon (pag. 292.), dafs man in der Di-gitalis die Gegenwart einer Salzbasis vermuthe, und dafsim Taback ein eigenthümlicher, flüchtiger Stoff, das Ni-cotian (pag. 507.), der wirksame Bestandtheil sei; da aberauch das Extract von Tabacksblättern narcotische Wir-kungen besitzt, so scheint entweder dieser flüchtige Stoffnicht der einzige wirksame darin zu sein, oder er wirdim Extract von anderen Stoffen, die seine Verflüchtigungverhindern, zurückgehalten.

Upasgift (Woorara), ist von Pelletier u. Caven-tou untersucht worden. Es ist ein Extract, welches auseinem, auf Borneo wachsenden Baume, Strychnos Upas,oder, nach Les chenault, Strychnos Tieute, bereitet wird.Es ist hart und rothbraun, aber an dünnen Kanten rotli-