Das Haus Leiningen ist eines der ältesten und angesehenstenin Deutschland, und war von Alters her mit der LandgräflichenWürde bekleidet. Daß der jetzige Fürst in der, vom Kaiser Jo-seph, eben deßhalb nur erneuerten Fürstenwürde jenen alten an-gccrbtcu Vorzug wieder geltend machte, war eine Nothwendigkeit,da der Stolz und das System des Anstchreißens, welches die Mi-nister eines mächtigen Nachbarn, uneingedenk der nahen Verwandt-schaft dieses ansehnlichen Hauses mit ihrem Fürsten, ans diedrückendste Weise übten, das Haus Leiningen nur zu gern in dieAbhängigkeit der bloß begüterten Edelleutc gesetzt hätten.
In früheren Zeiten schon, als die Grasen von Leiningen nocheigne Kriegsmacht hatten, nahmen fic gewöhnlich die Partei desUnterdrückten; sie wurden dafür verfolgt, beraubt und in neuernZeiten beeinträchtigt. Die letzten Vorfahren des Fürsten, vonKriegen und Processen entkräftet, hatten sich nur mehr als zunachgebend dagegen betragen. Es ward dem jetzigen Fürsten daherum so mehr Pflicht, seine unstreitigen Rechte und Besitzungendurch ein festeres System, unterstützt auch von äußerer Würde, zuerhalten.
So manche Last er zu tragen batte, so muthig unternahm erdas schwere Werk, verschleuderte Besitzungen, Rechte und Erwar-tungen zu retten. Binnen sechs Jahren war schon mancher Schadengeheilt, den seine Vorfahren auf ihn geerbt hatten.
Die Natur hat viel für den unternehmenden Mann gethau.Eine geistvolle, hohe Bildung, ein feuriger Blick, ein freier, fester,männlicher, schneller Schritt; eine starke, klingende, wirksameStimme, ein jugendlicher Muth in Entschließungen, hinreißendeBeredsamkeit — bezeichnen noch heute im sechsuudstebenzigsten Jahreden Mann, der — Herr ist über sein Schicksal.