entwickelung vor sich und gleich gut in verschlossenenund offenen Gefäfsen. Im lebenden Körper kommt derLeim nicht fertig gebildet vor; die älteren Angaben, dal'ser im Blute und einigen anderen Flüssigkeiten des Kör-pers aufgelöst vorkomme, hat man als unrichtig befunden.Dagegen aber können sehr viele und ziemlich ungleichethierische Gewebe in Leim verwandelt werden; solche sinddie Haut, der Knorpel, die Knochen, serösen Häute, dasZellgewebe, die Sehnen und Ligamente, die Hirschgeweihe;und es würde eine grofse Erleichterung sein, mit einem ge-meinschaftlichen Namen diese Gewebe bezeichnen zu kön-nen, wenn es nämlich auch sicher wäre, dafs Alles, wassich durch Kochen in Leim verwandelt, auch ursprüng-lich einerlei Zusammensetzung hätte. Die ziemlich verschie-denen physischen Eigenschaften dieser Gewebe scheinendiefs jedoch nicht zu rechtfertigen, zumal da wir wissen,dafs diejenigen Pflanzenstoffe, die durch Kochen mit ver-dünnten Säuren in Gummi und Zucker verwandelt wer-den, von mehrfacher Art sind.
In seinem reinen Zustand ist der Leim farblos, durch-sichtig, hart und von ganz ungewöhnlichem Zusammenhang,jedoch verschieden nach den verschiedenen Geweben, wor-aus er erhalten wurde. Der Leim aus Knochen und demKnorpel von Kalbsfüfsen besitzt nicht dieselbe leimendeKraft, wie der Leim von Rinderhäuten. Er ist geruch-und geschmacklos, sinkt in Wasser unter und reagirt we-der sauer noch alkalisch. Beim Erhitzen erweicht er undverbreitet den eigenthümlichen, sogenannten Leimgeruch.Indem er in halbe Schmelzung geräth, krümmt er sich, blähtsich auf, riecht wie verbranntes Horn, raucht, entzündetsich schwierig und brennt nur ganz kurz mit Flamme, wor-auf eine aufgeschwollene, schwierig einzuäschernde Kohlebleibt; ihre Asche ist phosphorsaurer Kalk. Bei der trok-kenen Destillation gibt er viel Ammoniak und im Allge-meinen die gewöhnlichen Destillationsproducte stickstoff-haltiger Materien.
In kaltem Wasser erweicht er, quillt auf, wird un-durchsichtig, und löst sich darin beim gelinden Erwärmen