Knochengallerte. 659
Mehr als ein Jahrhundert später suchten Proust und Ca-det die Wichtigkeit dieses, meistentheils ganz nutzlos weg-geworfenen Nahrungsmittels durch Versuche darzuthun, undes gelang ihnen auch, die allgemeinere Aufmerksamkeithierauf zu lenken. Es fehlte alsdann nicht an solchen,welche die Knochen viel höher schätzten als das Fleisch,und ihren relativen Werth als Nahrungsstoffe, nach derungleichen Menge der aus beiden erhaltenen Gallerte ma-fsen, ohne zu bedenken, dafs die Fleischfaser ein nochviel kräftigeres Nahrungsmittel ist, als der aufgelöste Leim.Zuletzt hat D’Arcet mit dem gröbsten Erfolg die Auflö-sung des Knochenknorpels durch, ihm ganz eigentümlicheMethoden bewerkstelligt. Eine Zeit lang wandte er, zurAusziehung der Knochenerde, die, besonders in Frankreichso wohlfeile Salzsäure an; nachdem er alsdann den aus-gewaschenen Knorpel durch Kochen zu Gallerte aufgelösthatte, wurde diese mit etwas Fleischbrühe und Pflanzen-theilen versetzt, um ihm Geschmack zu geben, der demLeim gänzlich mangelt. Später ist von ihm eine andere,und wie es scheint weit vorteilhaftere Methode befolgtworden, die darin besteht, dafs die von Fett befreiten Kno-chen zerkleinert *), und darauf in einem Cylinder denDämpfen von kochendem Wasser unter einem Druck von960 Millimeter, d. h. von einer Temperatur von -J-106 0bis 107°, ausgesetzt werden, während dessen ein feinerStrahl von kaltem Wasser eingeleitet wird, um einen Theilder Dämpfe zu condensiren; in diesem Zustand werdendie Knochen durchdrungen, ihr Knorpel löst sich auf, fliefst
den, mft II Pfund Holzkohlen, l5o Pfund Gelee zu bereiten,die er für Armenhäuser und Lazaretlie empfahl. Als der Kö-nig schon geneigt war, diesem Vorschlag Gehör zu geben,hatte man Bittschriften an den Hals seiner Jagdhunde gebun-den, des Inhalts, dafs man doch den Hunden nicht eine, nurihnen zukommende Nahrung entziehen möge. Diefs war ge-nug, den leichtsinnigen König wieder davon abzuwenden.Diese Zerkleinerung mufs mit den [feuchten Knochen und zwi-schen gerieften Walzen geschehen, weil die Knochen beimZerstofsen denselben Geruch, wie durch Raspeln, annehmen,und dadurch auch die Suppe so schmeckend wird.
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