Druckschrift 
4,1 (1831) Lehrbuch der Thier-Chemie
Entstehung
Seite
568
Einzelbild herunterladen
 

568

Milch.

1

daraus die Säure durch kohlensauren Kalk weg, so löstsich der freigewordene Käsestoll nicht auf. Offenbar sinddie beiden Zustände, der lösliche oder ungeronnene undder geronnene, in die der Faserstoff, das Eiweiis und derKäsestoff versetzt werden können, den beiden Zuständenähnlich, welche wir bei der Phosphorsäure, der Weinsäure,dem Zinnoxyd und der Titansäure antreffen, und in Zu-kunft vielleicht noch bei mehreren organischen und un-organischen Körpern auffinden werden. Zu den stärkerenSäuren verhält sich der Käse, nach Schübler’s Versuchen,folgendermaßen: in concentrirter Schwefelsäure ist er auf-löslich und wird daraus durch Wasser gefällt; in Salpeter-säure von 1,29 spec. Gewicht ist er mit gelber Farbe lös-lich; in Chlorwasserstoffsäure langsam, erst nach mehrerenTagen, und diese Auflösung wird, wie die des Faserstoffsund Eiweifses, blau, wenn die Temperatur über -J-15 0geht. Nach und nach geht die Farbe dieser Lösung inschmutzig violett über. Beim Sättigen der Säure mit Kaliverschwindet die Farbe und der Käse schlägt sich grau-weifs nieder. Mit concentrirter Essigsäure gelatinirt er, undlöst sich dann beim Vermischen mit Wasser und Erwärmenauf, erfordert aber dazu mehr Säure, als geronnenes Ei-weiis. In verdünntem kalten Kalihydrat ist er sehr leichtlöslich. Von kaustischem Ammoniak wird er nur sehr lang-sam gelöst, und in der Ruhe setzt diese Lösung, wenn dasButterfett vorher nicht abgeschieden war, einen weifsenRahm ab. Alkohol und Aether ziehen Butterfett aus, ohneihn aufzulösen.

Der mit Lab coagulirte Käsestoff gibt beim Verbren-nen bis zu 6i Procent Asche, welche sich ziemlich leichtweifsbrennt und aus 6 Procent phosphorsaurem Kalk miti Procent kaustischer (oder bei gelinderem Glühen kohlen-saurer) Kalkerde besteht, aber kein Alkali enthält. Dabeim Coaguliren durch Lab, ohne Verminderung des Ge-haltes an freier Säure in der Flüssigkeit, phosphorsaureKalkerde mit dem Käsestoff niederfällt, so scheint diesesErdsalz mit dem Käsestoff in einer löslichen Verbindunggewesen zu sein, welche durch das Coaguliren des Käse-