420
Harn.
moniak vermischt, so lange als noch oxalsaurer Kalk nie-derfällt. Die Flüssigkeit wird filtrirt und mit kaustischemAmmoniak gefällt; der Niederschlag ist phosphorsaurer Am-moniaktalk. In der übrigbleibenden Flüssigkeit, so wie inden Niederschlägen, sucht man thierische Materien auf.
Besteht der Stein aus oxalsaurem Kalk, so behandeltman ihn, nach vorhergegangener Ausziehung mit Aether,Alkohol und Wasser, mit kaustischem Kali, welches Harn-säure und thierische Stoffe auflöst, die man näher unter-sucht. Dann tlieilt man das Steinpulver; der eine Tlieilwird verbrannt, die Erde in Salzsäure aufgelöst, die Koh-lensäure durch Kochen weggeschafft und Ammoniak zuge-setzt, um zu entdecken, ob ein phosphorsaures Erdsalz nie-dergeschlagen wird, welches man alsdann untersucht. Derandere Theil des Steinpulvers wird mit ganz wenig ver-dünnter Schwefelsäure digerirt und die Auflösung abge-dampft. Hinterläfst sie einen sauren Syrup, so enthält sieentweder Phosphorsäure oder Weinsäure, oder Citronen-säure. Die letzteren sind zwar noch nicht gefunden wor-den, ihr Vorkommen wäre aber nicht immöglich*). Mansucht zu bestimmen, welche von ihnen es ist.
Steine aus phosphorsaurem Ammoniaktalk werden wieSteine aus phosphorsauren Erden behandelt.
Steine aus Cystin löst man, nach der Behandlung mitAether, Alkohol und Wasser, in kaustischem Ammoniakauf. Bleibt etwas ungelöst, so untersucht man es. DieAuflösung wird verdunstet und liefert bis zum letztenTropfen krystallisirtes Cystin.
Für solche Fälle, wo ganz ungewöhnliche Materien
*) Ich hatte einmal Gelegenheit zu beobachten, dafs ein zucker-haltiger, diabetischer Harn, indem er freiwillig in lebhafteWeingahrung überging, dabei ein bedeutend starkes Sedimentabsetzte, welches aus lauter glänzenden, farblosen und hin-sichtlich ihrer Form bestimmbaren Krystallen bestand, diereine weinsaure Kalkerde waren. Da der Patient keineweinsäurehaltige Substanz zu sich genommen haben soll, sobliebe nur die Vermulhung übrig, dafs in diesem Falle dieWeinsäure entweder in den Nieren, oder bei der Gährung die-ses diabetischen Harns gebildet worden sei. W.